Der Krieger im Alltag
Ich betrachte mich selber irgendwie als eine Art Krieger. Einige von euch mögen nun vielleicht nicht ganz verstehen, was es damit auf sich hat und was genau einen Krieger für mich nun ausmacht. Ich kann mir vorstellen, dass bei einigen Menschen beim Wort "Krieger" noch die Vorstellung verankert ist, dass es sich dabei um einen hirnlosen Kämpfer mit Schwert, Gewehr oder sonst irgendeiner Waffe handelt, der nichts anderes als Gewalt, Brutalität und Schmerz in seinem Leben kennt, und der nur blind irgendwelchen Befehlen eines Vorgesetzten folgt. (Um es mal ein wenig überspitzt auszudrücken...)
Nein... für mich ist ein Wahrer Krieger ein Mensch, welcher Verantwortung für sein eigenes Leben, für die Natur, für seine Mitmenschen - im Prinzip einfach für das Leben selber - übernimmt und welcher sich seiner Selbst vollkommen bewusst ist.
Nun gut, ich möchte an dieser Stelle nicht behaupten, dass dies bei mir tatsächlich der Fall wäre. Es wäre wohl richtiger zu sagen, dass ich mich auf dem Weg des Kriegers befinde und sozusagen erst ein Krieger in Ausbildung bin. Aber ich versuche dennoch, die Tugenden eines Kriegers in jedem Moment hochzuhalten und auch zu leben. Ich schreibe jetzt bewusst "versuche", weil mir klar ist, dass ich dies zur Zeit noch nicht 100%ig "einfach tue", sondern mich leider noch (halbbewusst) von gewissen Schwächen fesseln und unter-halten lasse.
Ich betrachte diese Schwächen von mir gern als meine "Dämonen", meine "Feinde", die sich mir in den Weg stellen. Diese "inneren Feinde" und "Dämonen" sind für mich meine Eigensinne, wie unter anderem meine Faulheit, meine Bequemlichkeit und auch meine Genusssucht. Ich denke, es ist für mich durchaus berechtigt, dass ich diese Charaktereigenschaften von mir als meine Feinde betrachte, denn wie ein Feind im Aussen einem schaden möchte, so schaden mir auch diese "inneren Feinde" indem sie mich von meinem Weg ablenken und mich davon abhalten, meine Träume und Wünsche zu verwirklichen und das zu tun, was mir von Herzen wichtig ist.
Nun ist es leider so, dass mir dies nun genau in den letzten Monaten passiert, ich habe ein sehr bequemes Leben geführt und habe lieber Videospiele gespielt oder DVDs geguckt, anstatt mir wirklich wichtige Dinge zu tun - wie z.B. ins Training zu gehen oder zu schreiben... Dabei wurde ich auch ständig von einer gewissen Negativität geplagt, sodass ich relativ schwermütig und faul durchs Leben ging...
Es ist schon irgendwie wahr: Der grösste Feind wartet nicht dort draussen in der grossen, weiten Welt auf einen, er lauert in einem selber drinnen, tief versteckt in unserem menschlichen Eigensinn und in unseren Vorstellungen und angelernten Konzepten. Und Negativität, ein „es geht nicht“-Gedanke, ist ein sehr stark verbreitetes Konzept in der heutigen Zeit. Ich habe mich lange Zeit davon beeinflussen lassen, doch zum Glück ist einiges in meinem Leben geschehen, das mich umdenken liess. Ich fing an, mein Leben ganz bewusst positiv auszurichten, zu denken „ja, ich kann!“ anstatt zu denken „och, ich kann nicht, ich bin zu müde, zu schwach, zu ungeschickt zu etc. etc...“
Darum auch mein Verständnis von mir als Krieger im Alltag. Mit dieser Denkweise, mit dieser Sicht meiner Selbst als "Krieger im Alltag", fällt es mir persönlich leichter, mein Leben und meinen Weg zu meistern. Und so wie für einen "echten" Krieger auf dem Schlachtfeld eine Unaufmerksamkeit oder Unachtsamkeit schädlich oder gar tödlich sein kann, so kann eine Unaufmerksamkeit oder Unachtsamkeit für mich ebenfalls sehr schlimme Konsequenzen haben. (Oft natürlich nicht so unmittelbar wie auf dem Schlachtfeld...)
Nehmen wir doch das Rauchen zum Beispiel: Indem ich meiner Genusssucht nachgebe, schade ich meiner Gesundheit. Eben genau diese Genusssucht in mir drinnen ist es, die mich verletzt und die mir schadet, und mit einer negativen Einstellung lasse ich sie gewähren. Positives Denken, nicht aufgeben und eine klare Erkenntnis WAS diese Genusssucht eigentlich genau ist, liessen mich wieder aufblühen und wieder ins Training gehen.
Etwas vom wichtigsten, was ich dabei erkennen durfte, ist: Es braucht einen Entschluss - und die Gelassenheit, diesen in der Folge auch wirklich durchzuziehen, denn Verkrampftheit und Selbst-Geisselung sind dabei eher hinderlich.
Und diese Entschlossenheit und Gelassenheit, das sind zwei Tugenden eines Kriegers, und diese kann man auch im Alltag umsetzen und leben. Denn dadurch kann ich all meinen guten Gedanken auch Taten folgen lassen. Denn Gedanken sind zwar schön und gut, aber schlussendlich sind es unsere Handlungen, die uns mit unseren Mitmenschen, nein, eigentlich mit dem ganzen Leben selber, verbinden.
Und sich mit seinen Mitmenschen auszutauschen, etwas weiterzugeben und auch etwas zu erschaffen: Das ist eine Kunst. Und Krieger sind auch Künstler.
Doch davon später einmal mehr.




