Ausbruch
Verfasst: So 28. Okt 2007, 19:23
Ursprünglich habe ich das im Goapartys Thread geschrieben, aber es ist an und für sich ein neues Thema. Daher ein neuer Thread. Das Thema ist auch inspiriert durch den Steppenwolf, den ich gerade zum ersten Mal lese, und Seite für Seite voller Staunen bin, was darin enthalten ist.
Ich möcht doch nochmals anknüpfen an der Diskussion von den "armen" Zürchern. Vielleicht sollte man diese Beschreibung erstmal auflösen, und ersetzen duch den armen "Bürger". Denn Zürcher zu sein, ist noch lange kein Merkmal in irgendeiner Art und Weise in etwas gefangen zu sein, das man als Routine bezeichnet. Auch ist es keineswegs so, dass in Zürich in Ausgang gehen, ein zwangsläufiges Merkmal für einen routinierten Menschen ist. Nein, diese Erklärung ist sicherlich falsch und irgendwo durch auch etwas arrogant.
Und dennoch bin ich durchaus der Meinung, dass es eine Routine gibt. Die allenthalben überall auf der Welt ausgelebt wird; von Menschen erschaffen, die bei Michael Ende's Momo die grauen Männer genannt werden, und die in dieser Routine verhaftet sind, aus Selbstschutz. Denn es ist ein Schutz, bürgerlich zu leben, seinen Tagesablauf durchgeplant und optimiert zu haben. Man ist gefeit, vor allzu grossen Fragen, die man Zitat: "ja doch nicht beantworten kann". Es ist durchaus nicht falsch, jedenfalls nicht aus der Sicht eines routiniert zufriedenen Menschen (auf Englisch: content people).
Der Zufriedene - das ist das Wort das wir hier suchen, und auch wenn sich Zürich und Zufrieden doch recht ähnlich ausnehmen, ist gerade Zürich, Gotham City der Schweiz, vermutlich definitiv das falsche Beispiel. Also weg von Zürich-Usgang, hin zu den Zufriedenen Menschen.
Genügsam, Karrierebewusst, Familienbewusst, fromm, höflich, anständig - anständige gute Bürger. Nichts davon ist schlecht. Darf auch nicht schlecht sein, höchstens im Sinne von Doppelmoral, aber selbst das leben sehr wenige wirklich aus. Nein, die Zufriedenen wären nicht zufrieden, wenn ihr Leben unstet wäre, doch sie sehen auch keinen Sinn darin, es in irgendeiner Form zu verkomplizieren und zu extremisieren, sie leben bescheiden und tugendhaft, sofern die Tugend nicht überhand nimmt, und sie in ihrer Alltäglichkeit nicht bedroht werden.
Dies ist die Routine, die hier angesprochen wurde, das ist der Stillstand, der fernab von einem echten Erlebnis, ausserhalb der Marketing-Massnahme des Erlebnis-Einkaufs, existiert. Dahinvegetierend, faulend, bis man eines Tages stinkend in einem Altersheim beim Bingo punktet und auf den Tag wartet, wenn das Leben sich wieder dem Lebensrad aussetzt, und man erneut in eine Existenz geworfen wird, die einen dazu bringt, alles Talent und alle Lebensfreude aufzugeben, für die Zufriedenheit, die Opferlosigkeit! Das Leben in einer behüteten Werkstatt von Arbeit und Usgang, worin vielleicht auch mal der eine oder andere Alk-Absturz drinliegt, man einmal einen "dummen Spruch" wagt, oder gar mal "über die Stränge schlägt" - willkommen in der Welt des Zufriedenen! Erneut und immer wieder, bis die eigene Seele sich aufbäumt, wie sie es zuletzt vielleicht mit 14 gemacht hat, vielleicht auch nicht, und ruft: das ist mir nicht genug!
Genug ist zu wenig! ich will mehr, ich will über den Egozustand meines Daseins hinauswachsen, und erleben was es heisst, tiefsten Schmerz zu erleiden, höchstes Glück zu erfahren, ich will leben und nicht vegetieren, wie ein weisses Schaf auf der Weide, nein ich will hinausgeworfen werden, in eine Welt jenseits des nächsten Rab'schen Maschendrahtzauns, in eine Welt von Tumulut und Wahrheit und Lüge und Verleugnung, in eine Welt in der das Leben noch lebt, und sich seiner selbst nicht genügt.
Darin liegt die Kraft all dessen, was sich wagt, über das hinauszugehen, was Sittsam und gesetzestreu ist, die sich abnabelt und neue Wege geht.
Leicht wird einem das jedoch niemals nicht gemacht.
Denn die Verhaftung im Zufriedenen ist allzu gross, ist allzu bindend, wird mit Erziehung bereits sehr gefestigt, und erst das Angebot der "westlichen" Welt mit den neuesten technischen Errungenschaften Blue Tooth, Internet und was es noch alles gibt. Diese Entwicklung existiert ganz real und sie ist verführerisch und sie verführt, sie ist Opium für's Volk - immerzu, immerdar, nur die Bezeichnung wechselt, und wer genau darauf achtet, merkt auf einmal, dass was einst als Opiat verabreicht wurde, sich verwandelt hat, und neuerdings abgelehnt wird, von denen, die zufrieden sind, in ihrer Ignoranz des Wandels, die nötig ist, um glücklich zu sein, mit dem, was man hat.
Haben. Alles was Du besitzt, besitzt Dich, es sind die Fesseln mit denen wir uns freiwillig festschnüren, um Halt zu haben. Ein Apfelmännchen des Stillstands - auf den ersten Blick unendlich und auf den zweiten immergleich.
Dies zu durchbrechen, womit auch immer, mit Musik, mit Kunst, mit Literatur, mit Rausch, mit neu verstandener Spiritualität - immerzu unter der Gefahr lebend, aus-zu-stürzen - dies ist der Weg zu einem Leben, das voller und intensiver ist, als jede Geranie, die jemals gepflanzt wurde. Vielleicht der erste Schritt hinein in eine Welt des Wandels? Eine Welt der radikalen Umgestaltung von allem, was wir heutzutage als "angenehm" empfinden, hinein in eine Welt, in der Liebe und Schmerz Hand in Hand gehen, und sich erfüllen, in einer Welt der fortschreitenden Progression?
Vermutlich nicht - die Welt bleibt Welt, wird immerzu Welt sein, doch wenn Du Dich in dieser Welt nicht heimisch fühlst, dann finde Deine eigene Welt, zwar massgeblich in Dir, doch nicht allein, denn das Äussere führt uns fort von einem Ego-Bewusstsein, das verstärkt auch nicht besser ist, als schwach. Hinein in die Wahrheit dessen, dass es keine gibt. Hinein in die Gesetzmässigkeit, dass jede Gesetzmässigkeit in sich unschlüssig ist, unerklärt - immer zu neu, je nach Standpunkt anders formuliert, Konventionen die keine mehr sind, indem sie nach Situation angepasst werden, an den eigenen Lebensweg, der mehr ist, als der schleichende Tod der Zufriedenheit.
Ich möcht doch nochmals anknüpfen an der Diskussion von den "armen" Zürchern. Vielleicht sollte man diese Beschreibung erstmal auflösen, und ersetzen duch den armen "Bürger". Denn Zürcher zu sein, ist noch lange kein Merkmal in irgendeiner Art und Weise in etwas gefangen zu sein, das man als Routine bezeichnet. Auch ist es keineswegs so, dass in Zürich in Ausgang gehen, ein zwangsläufiges Merkmal für einen routinierten Menschen ist. Nein, diese Erklärung ist sicherlich falsch und irgendwo durch auch etwas arrogant.
Und dennoch bin ich durchaus der Meinung, dass es eine Routine gibt. Die allenthalben überall auf der Welt ausgelebt wird; von Menschen erschaffen, die bei Michael Ende's Momo die grauen Männer genannt werden, und die in dieser Routine verhaftet sind, aus Selbstschutz. Denn es ist ein Schutz, bürgerlich zu leben, seinen Tagesablauf durchgeplant und optimiert zu haben. Man ist gefeit, vor allzu grossen Fragen, die man Zitat: "ja doch nicht beantworten kann". Es ist durchaus nicht falsch, jedenfalls nicht aus der Sicht eines routiniert zufriedenen Menschen (auf Englisch: content people).
Der Zufriedene - das ist das Wort das wir hier suchen, und auch wenn sich Zürich und Zufrieden doch recht ähnlich ausnehmen, ist gerade Zürich, Gotham City der Schweiz, vermutlich definitiv das falsche Beispiel. Also weg von Zürich-Usgang, hin zu den Zufriedenen Menschen.
Genügsam, Karrierebewusst, Familienbewusst, fromm, höflich, anständig - anständige gute Bürger. Nichts davon ist schlecht. Darf auch nicht schlecht sein, höchstens im Sinne von Doppelmoral, aber selbst das leben sehr wenige wirklich aus. Nein, die Zufriedenen wären nicht zufrieden, wenn ihr Leben unstet wäre, doch sie sehen auch keinen Sinn darin, es in irgendeiner Form zu verkomplizieren und zu extremisieren, sie leben bescheiden und tugendhaft, sofern die Tugend nicht überhand nimmt, und sie in ihrer Alltäglichkeit nicht bedroht werden.
Dies ist die Routine, die hier angesprochen wurde, das ist der Stillstand, der fernab von einem echten Erlebnis, ausserhalb der Marketing-Massnahme des Erlebnis-Einkaufs, existiert. Dahinvegetierend, faulend, bis man eines Tages stinkend in einem Altersheim beim Bingo punktet und auf den Tag wartet, wenn das Leben sich wieder dem Lebensrad aussetzt, und man erneut in eine Existenz geworfen wird, die einen dazu bringt, alles Talent und alle Lebensfreude aufzugeben, für die Zufriedenheit, die Opferlosigkeit! Das Leben in einer behüteten Werkstatt von Arbeit und Usgang, worin vielleicht auch mal der eine oder andere Alk-Absturz drinliegt, man einmal einen "dummen Spruch" wagt, oder gar mal "über die Stränge schlägt" - willkommen in der Welt des Zufriedenen! Erneut und immer wieder, bis die eigene Seele sich aufbäumt, wie sie es zuletzt vielleicht mit 14 gemacht hat, vielleicht auch nicht, und ruft: das ist mir nicht genug!
Genug ist zu wenig! ich will mehr, ich will über den Egozustand meines Daseins hinauswachsen, und erleben was es heisst, tiefsten Schmerz zu erleiden, höchstes Glück zu erfahren, ich will leben und nicht vegetieren, wie ein weisses Schaf auf der Weide, nein ich will hinausgeworfen werden, in eine Welt jenseits des nächsten Rab'schen Maschendrahtzauns, in eine Welt von Tumulut und Wahrheit und Lüge und Verleugnung, in eine Welt in der das Leben noch lebt, und sich seiner selbst nicht genügt.
Darin liegt die Kraft all dessen, was sich wagt, über das hinauszugehen, was Sittsam und gesetzestreu ist, die sich abnabelt und neue Wege geht.
Leicht wird einem das jedoch niemals nicht gemacht.
Denn die Verhaftung im Zufriedenen ist allzu gross, ist allzu bindend, wird mit Erziehung bereits sehr gefestigt, und erst das Angebot der "westlichen" Welt mit den neuesten technischen Errungenschaften Blue Tooth, Internet und was es noch alles gibt. Diese Entwicklung existiert ganz real und sie ist verführerisch und sie verführt, sie ist Opium für's Volk - immerzu, immerdar, nur die Bezeichnung wechselt, und wer genau darauf achtet, merkt auf einmal, dass was einst als Opiat verabreicht wurde, sich verwandelt hat, und neuerdings abgelehnt wird, von denen, die zufrieden sind, in ihrer Ignoranz des Wandels, die nötig ist, um glücklich zu sein, mit dem, was man hat.
Haben. Alles was Du besitzt, besitzt Dich, es sind die Fesseln mit denen wir uns freiwillig festschnüren, um Halt zu haben. Ein Apfelmännchen des Stillstands - auf den ersten Blick unendlich und auf den zweiten immergleich.
Dies zu durchbrechen, womit auch immer, mit Musik, mit Kunst, mit Literatur, mit Rausch, mit neu verstandener Spiritualität - immerzu unter der Gefahr lebend, aus-zu-stürzen - dies ist der Weg zu einem Leben, das voller und intensiver ist, als jede Geranie, die jemals gepflanzt wurde. Vielleicht der erste Schritt hinein in eine Welt des Wandels? Eine Welt der radikalen Umgestaltung von allem, was wir heutzutage als "angenehm" empfinden, hinein in eine Welt, in der Liebe und Schmerz Hand in Hand gehen, und sich erfüllen, in einer Welt der fortschreitenden Progression?
Vermutlich nicht - die Welt bleibt Welt, wird immerzu Welt sein, doch wenn Du Dich in dieser Welt nicht heimisch fühlst, dann finde Deine eigene Welt, zwar massgeblich in Dir, doch nicht allein, denn das Äussere führt uns fort von einem Ego-Bewusstsein, das verstärkt auch nicht besser ist, als schwach. Hinein in die Wahrheit dessen, dass es keine gibt. Hinein in die Gesetzmässigkeit, dass jede Gesetzmässigkeit in sich unschlüssig ist, unerklärt - immer zu neu, je nach Standpunkt anders formuliert, Konventionen die keine mehr sind, indem sie nach Situation angepasst werden, an den eigenen Lebensweg, der mehr ist, als der schleichende Tod der Zufriedenheit.
