Es gibt auf Facebook eine Gruppe namens "Hippie Children born in the wrong generation". Genau so ist es bei mir irgendwie. Würde eine solche Welle in unserer Gesellschaft wieder zustande kommen, ich wäre an vorderster Front dabei, kein Frage. Nur muss ich auch ganz ehrlich sagen: Das war doch auch nur Konsum, das war doch auch nur eine gigantische Massenflucht aus der ach so grauenvollen Welt, schon damals. Ich bin sehr froh gibt es so etwas wie die Goa-Szene. An Parties habe ich jedes Mal das Gefühl "Yeah, all die Freaks, echt toll dass es noch so viele solcher Menschen gibt." Aber im Endeffekt ist eine Goa auch nur Konsum. Natürlich nehmen wir immer wieder unglaublich tolle Eindrücke von den Parties mit, die uns eine Zeit lang im Alltag begleiten. Aber eben, der Alltag kehrt zurück. Die unabwendbaren Fangarme des Kapitalismus ergreifen uns nach jedem Wochenende von neuem. Wir gehen nicht nach Hause und denken "wir könnten was erreichen" und steigen einfach so mal aus der Gesellschaft aus, satteln um auf Selbstversorgung, steigen auf die Barrikaden, gründen unseren eigenen Staat, in dem nur Liebe und Licht und Glück herrschen darf. Nein. Am Montag morgen schellt wie gewohnt der Wecker um 6:30. Morgenessen, Bus nehmen, whatever, arbeiten, heimfahren, essen, Bett, am nächsten Morgen dasselbe. Damit verdienen wir Geld, das wir zum Überleben brauchen. Kapitalismus eben. Ok, einverstanden, dieses System scheint heute das einzig wirklich taugliche zu sein. Aber es ist alles andere als befriedigend. Mit den richtigen Idealen müsste doch was anderes möglich sein. Aber ich will mich jetzt nicht verzetteln und eine neue Staatsform entwickeln. Ich sage ganz einfach: I have a dream...
...und dieser Traum beinhaltet auch, dass sich der Mensch viel stärker mit dem Kosmos auseinandersetzt. Ich glaube immer noch, dass unser Dasein in einem Körper eine Festgefahrenheit ist, die so nicht sein müsste, auch zu unseren Lebzeiten. Überhaupt: Raum, Zeit, was soll das? Realität ist relativ. Hierbei stosse ich aber wieder an jene Grenze, die mir seit langem Unbehagen bereitet, also lasse ich das Thema mal. Bleiben wir auf dem Boden. Ich glaube, wenn der Geist, solange er noch in unserem Körper "gefangen" ist, auf den Kontakt mit "Anderswelten" eingestellt wird, das Leben sicherlich einiges lebbarer wird. Wir wissen ja nicht, was uns nach dem Tod erwartet.
Ich bin immer noch auf der Suche nach mir selbst. Meine Ideale scheinen mir völlig unerreichbar. Ja, ok, ich bin naiv, kann ja sein. Aber wäre es so abwegig?
Ich habe im Sommer das Buch "Die Verwilderung" angefangen zu lesen. Da geht es auch um "Aussteiger aus der Gesellschaft", die immer mehr Menschen in ihre Gemeinde aufnehmen. Ich habe das Buch nicht zu ende gelesen. Der ungewöhnliche Schreibstil bereitete mir Mühe. Aber wie das dort beschrieben wurde, dieses Aussteigen, darüber machte ich mir einiges an Gedanken.
Womöglich ist ja der Mensch gar nicht dafür tauglich. Vielleicht brauchen wir einfach ein System. Horrorgeschichten von Aussteigern gibts ja genug. Da entstehen Sekten, ein Wahnsinniger hat in irgend einem Dschungel (in Südamerika war das glaube ich) eine kleine Siedlung gegründet, was dann schlussendlich zu einem riesigen kollektiven Selbstmord geführt hat. Jonestown oder so hiess die Siedlung...
Im Film "Fear and Loathing in Las Vegas" beschreibt Raoul Duke in einer Szene sein Leben 1965 in San Francisco. Und irgendwann sagt er etwas wie: "Wir fühlten uns unbesiegbar. Und genau das war das Problem." Man sollte immer die Realität im Auge behalten, auch wenn sie noch so brutal ist. Da muss ich selber mich manchmal auch gewaltig am Riemen reissen. Gerade wenn man wie ich sehr unzufrieden ist mit der Situation, ist es manchmal schwierig, der Realität ins Auge zu blicken. Ich bin halt keiner dieser SVP-"Füdlebürger", die nur das Schweizerländle im Blick haben und erst Mal reich werden wollen, damit sie sich dann um nichts mehr sorgen machen müssen. Bei denen kommt dann mal ein Wirtschaftsstudium oder Politik, wer weis, sich hocharbeiten, Karriere machen, Geld machen, Einfluss haben, Sklaven um sich scheren, aufsteigen in der Hierarchie, bis ganz oben und dann mal 30 Millionen im Jahr einsacken. Hmpf!
Ganz konkret: Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages eine neue Aussteigerbewegung bildet und die sich ausbreitet auf der ganzen Welt. Egal ob das aus der Goa-Szene kommt oder woher auch immer. Es sollte einfach eine gigantische globale Welle der Liebe, Tolleranz, Spiritualität, Naturverbundenheit, Freiheit etc. sein. Sodass der Mensch zurückfindet zu seinen Wurzeln, zurückfindet zur Verbundenheit seines Körpers mit der Geisterwelt und schliesslich und endlich erkennt: "we are eternal, all this pain is an illusion"


