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Höhenflüge in Psytopia (Tripreport MDA, Acid, Psilocybin)

Verfasst: Mo 6. Nov 2006, 22:56
von ResQ
… und wie es sich anfühlt, vom Piloten zum Autopiloten zu werden

Ich dachte mir, warum nicht auch mal einen Tripreport in einem Psy-Forum veröffentlichen. Immerhin findet diese Reise ja dort statt wo wir uns häufiger begegnen :D
Achtung ... viel zu lesen. Wenn ich mir mal die Mühe mache, einen TR zu schreiben, wird er meist auch seeeehr detailliert :D

Ein paar kurze Bemerkungen ...

Die hier beschriebene Reise hat aufgrund der konsumierten Mengen ein bisschen "Abschusscharakter" und hatte rein hedonistische Inentionen. Auf Goa Open Airs herrschte bei mir diesem Sommer öfters mal absoluter "Ausnahmezustand, wodurch eben auch Erlebnisse wie das hier beschriebene herauskommen können.
Da der Halluzinogenkonsum in solchen Mengen zu diesem Zweck vielen fragwürdig erscheint, gibt es am Ende des Berichtes noch eine ausführlichere Stellungnahme von mir dazu.
Zudem beschreibt der Bericht ganz unterschiedliche Bewusstsensphasen sowie Drogenwirkungen. Wen meine anfängliche MDA-Verklatschung nicht interessiert, liest am besten gleich die späteren Abschnitte zur Wirkung von LSD bezogen auf DarkPsy oder die Natur der Gedankenspiralen bei Psilocybin.
Es war eine enorme Herausforderung, gerade diese beiden Aspekte versuchen mit den gegebenen Mitteln der Sprache zu beschreiben und ich habe noch nie so viel Zeit damit verbracht, zu versuchen die "richtigen" Worte zu finden. Das schlägt sich natürlich auch im TR nieder und macht mache Textpassagen von Struktur und Inhalt her etwas wirr.
Der ganze Sommer 2006 ist voll mit solchen Erfahrungen, die alle einen TR verdient hätten. Aber dann würde ich nichts anderes mehr machen als TRs schreiben und Geld verdienen lässt sich damit leider nicht wirklich ;)
(Anmerkung: Wegen der Gefahr des Auslösens von latenten Psychosen ist grundsätzlich vom Gebrauch von Halluzinogenen, zu welchem Zweck auch immer, abzuraten und ich rate auch davon ab (insbesondere vom Mischkonsum in diesen Mengen) obgleich ich in Berichten wie diesem darstelle. wie hoch der Spassfaktor sein kann.
Dieser Standpunkt sollte beim Lesen des Berichtes im Hinterkopf behalten werden).


Set und Setting

Was mein Umfeld für den Gebrauch von Halluzinogenen ist, ist ja hinreichend bekannt.
Alle Elemente einer Goaparty sind auf den Konsum ebensolcher zugeschnitten: Die Musik, die Deko, freakige Leute ...
Es war mal wieder Fullmoon Festival, diesmal neue Location. Ein alter russischer Militärflughafen beherbergte mehrere grasbewachsene Flugzeughangars. Zwischen diesen befand sich das Festivalgelände. Wichtig für den Trip waren der grosse, schön dekorierte Mainfloor, der kleine, mager dekorierte Groove Floor und der Hangarhügel der sich zwischen den beiden Floors befand (Ausserdem besonders wichtig: A., die Frau die plötzlich im Zentrum aller Existenz stand ;) )
Das Wetter war prinzipiell fantastisch. Sonne, nachts klar, hin und wieder ein paar Wolken.
Meine eigene Verfassung war ebenso perfekt. Ich war mir in den Tagen zuvor über einiges klar geworden und wusste ganz genau, meine Zukunftsvorstellungen durch Bewerbungen für einen anderen Studiengang nach dem Festival in die Tat umgesetzen. Dieses Thema hatte mich schon lange belastet und da dies nun vom Tisch war, fühlte ich mich umso freier, mich auf fünf ordentliche Festivaltage einzulassen.
Mein eigentlicher Plan war, es mit den Halluzinogenen abgesehen von einem 2C-B Experiment und ein bisschen MDA zu lassen, da ich davon ausging es würde mich zu sehr anstrengen und Trips in eine stressige Richtung lenken.
Früher mussten Set und Setting für den Halluzinogenkonsum perfekt sein. Mittlerweile reicht es wenn ich Lust darauf habe, es muss mir nicht mal gut gehen, aber schlechte Stimmung darf natürlich auch nicht sein. Die Erfahrung hat gezeigt dass auch bei guter Grundstimmung ein Trip unangenehm werden kann, bei neutraler seelischer Verfasshung ein Trip diese ins Positive wandeln kann. Deshalb nehme ich es damit nicht mehr so genau.


Let's get started ...

Es war der zweite Festivaltag. Nach ein bisschen Schlaf fühlte ich mich fit zum Feiern.
Um 16h starteten Infected Mushroom ihre "Live in Concert" Show auf dem Mainfloor. Lust auf MDMA kam auf, jedoch waren nur MDA Kristalle am Start. Meine letzten Erfahrungen mit diesen hatten eher LSD-Charakter, doch das kann bei Infected und den folgenden Acts ja nicht stören ;)
Also mit Kumpels erstmal ins Zip gedippt. Die ersten Effekte verspürte ich nach ca. 20 Minuten, leider waren sie untypisch sanft. Da half nur nochmal dippen - dreimal innerhalb der nächsten zwei Stunden.
Abgesehen von einer schnell anwachsenden Fitness blieben die Effekte während des Infected Acts seicht.
Erst als Pop Stream anfing bekam ich das Gefühl, als ob alle Einzeldosen auf einmal einschlugen. Einerseits war das natürlich lustig und der ursprünglich erwünschte Effekt, andererseits ein bisschen zu heftig.
Es ist etwas töricht, MDA einfach nur als die harmlose halluzinogene Variante von MDMA zu definieren. So lang man sich keine Überdosis verpasst, bekommt man zwar weder ernsthafte Kreislaufprobleme noch Psychoterror, jedoch fühle ich mich meist doch ganz schön vergiftet und dieses Vergiftungsgefühl trübt durch unangenehme Nebenwirkungen die angenehmen Effekte. Auch ist die MDA Wirkung penetranter,direkter und kompromissloser im Vergleich zu MDMA. Ab einer gewissen Dosis stellt sich halt ein halluzinogener Film ein, der mehr von Durchspulung als von empathischer Liebe geprägt ist. Und wenn man darauf keinen Bock hat, lässt sich dieser Film nicht so ohne weiteres abstellen.
In diesem Stadium befand ich mich also während Pop Stream seinen Liveact begann. Die Vergiftung äusserte sich diesmal intensiver wie (als, aber ich bekomm meine süddeutschen Grammatikfehler einfach nicht aus meiner Sprache :D) sonst, aber das Gefühl war mir nicht unbekannt, da ich in den letzten Wochen aufgrund von MDMA-Mangel oft zu MDA als Ersatz gegriffen hatte :D
Etwas verärgert war ich darüber dass die Klangwahrnehmung sich nicht positiv verstärkte und entfaltete, sondern die schönen Pop Stream Tracks zwar sehr intensiv, aber auch mit einer dumpfen Penetranz in mein Ohr kamen. Glücklicherweise wandelte sich dies nach ca. 1-2h ins Positive. Nicht nazulegen ist in so einem Zustand gold wert ;)


Das unsanfte MDA-Coming Up

Die gefühlte negative Vergiftung wich dann auch langsam von mir und wurde zu einer lustigen Vergiftung mit genau jenen Effekten, wegen denen es sich lohnt MDA zu nehmen: Die Koordination wurde etwas unkoordiniert, ich konnte nicht definieren ob ich mich leicht oder schwer fühlte, schwankte oder geradeaus lief. Aber es spielte auch keine Rolle, denn allein das Spüren jedes Schrittes, jeder Bewegung war so befremdend aber auch gleichzeitig extrem spassig. Hinzu kamen sehr plötzlich optische Veränderungen in mein Sichtfeld, von der Ausprägung her stärker als eine Standarddosis LSD. Farben und Kontraste wirkten um einiges intensiver, einzelne Farben waren in mehrere verschiedene Farbtöne derselbigen zerlegt, wie ich sie sonst nie wahrnehme (z.B. hatten Blätter von Bäumen, die sonst alle gleich grün aussehen, unterschiedliche Grünfärbungen und auch die Beleuchtung der Hangars rief sehr trippige Farbtöne hervor).
Noch schien die Sonne und tauchte das gesamte Gelände in eine Art goldenes Licht. Auf dem Weg zum Klo hatte ich die Möglichkeit mich der Umgebung genauer zu widmen. Die Wiese und der naheliegende Wald kräuselten sich wunderschön, mein ganzes Sichtfeld war in Bewegung und nahestehende Objekte verschmolzen über psychedlische Fäden und Äste zueinander. Selbst im Dixiklo nahm die Show kein Ende, seichte Farbwellen fluteten von der Decke zum Boden, das ganze Klo wurde zu einem optischen Vibrator mit freundlichen warmen, sich verändernden Farben.
Mit einem Wärmegefühl und einem zufriedenen Lächeln, welches ich sogar in mir spüren konnte, stolperte ich zum Floor zurück. Das sind diese Momente in denen einem der Flash immer wieder und wieder zu Kopf steigt und einem dieses treudoof-glückliche Gefühl gibt. I love it! :D
Mittlerweile war der Live-Act von Oforia schon in vollem Gange, oder vielleicht auch schon vorbei, ich weiss es nicht mehr. Jedenfalls war es schöne Musik :) Das Tanzen war mangels guter Koordination leider etwas anstrengend, weshalb ich mich eher mit rumlaufen beschäftigte oder mit Lisa und Kenji mal auf einen der Hangars chillte.
Ich sass auf der Steinmauer, Lisa unter mir und schmiegte sich leicht an mich. Sie ist sowieso ein Schnuckelchen, aber jetzt intensivierte sich die Verbundenheit zu ihr extrem - warum wohl ;)
Ich glaube wir sind mal gemeinsamen zum Camp meiner Leute gelaufen, aber weiss weder wann noch ob das überhaupt an diesem Tag war. Jedenfalls ist das eine erwähnenswerte typische MDx-in-hohen-Dosen-Wirkung: die Folge von Ereignissen versank im Schleier der MDA Wirkung. Naja so lange es nicht das Stattfinden von Ereignissen ist gehts ja noch.


Acidmangel ...

Definitiv Fakt ist jedoch, dass ich mich gegen späten Abend, als es so langsam zu dämmern anfing, wieder Richtung Camp bewegte - vielleicht mit Kenji.
Der Grund war auf jeden Fall der Konsum einer in diesem Moment für mich als vernünftig erscheinende Droge - LSD. Ich fühlte mich ausgelaugt, die spannenden Effekte des MDAs liessen nach während so langsam das Runterkommen anfing und die Nachwirkungen immer spürbarer wurden.
LSD und Pilze in biegen bekannterweise in therapeutischer Dosis nach heftigem MDx Konsum den Serotoninhaushalt wieder etwas gerade und eignen sich als bestes Mittel gegen Kopfweh.
Da die Nacht jedoch noch lang war und das Line-Up vielversprechend, hatte ich es nicht auf eine therapeutische Dosis abgesehen.
Zu sehr abschiessen wollte ich mich aber nicht, deshalb fiel die Konsumentscheidung auf einen halben Tropfen (schätzungsweise entsprach das so 50-75mmg), was mit der Toleranz vom morgen zuvor für eine sanfte, reaktivierende und erfrischende Wirkung sorgen sollte.
So war es dann auch. Ebenso vorhersehbar war die ungeplante ausgedehnte Chillsession am Zelt, obwohl einige (incl. mir) gleich wieder zum Floor aufbrechen wollten. Drogeninduzierter Festivallifestyle at its best :)


Aber dann immer noch: ein zu geringer Tryptaminspiegel

Kurz ein Leitsatz der repräsentativ für die Nacht ist und der von mir und vielen anderen auch exzessiv gelebt wurde (das ganze fünf Nächte durchzuziehen bleibt jedoch anderen überlassen):
Eine Nacht auf der Fullmoon muss man einfach durchdrehen:D
Das Acid kam wie erwartet sehr sanft mit nur sehr subtilen psychotropen Effekten und steigerte das Wohlbefinden um ein Vielfaches. Als es schon langsam richtig dunkel wurde schafften wir es dann doch zum Floor. Ich glaube, einen Teil der Leute gleich verloren zu haben. Und die meisten nachts grösstenteils nicht mehr gesehen :D
Diese Nacht war sowas von durch. Selbst für jemanden, der öfters an solchen Orten mit einigen Substanzen im Hirn so einiges erlebt.
Das Acid war auf Dauer doch etwas lahm. Für Nachschub zum Camp zurücklaufen schied aus Faulheitsgründen jedoch aus. Zwar gabs Pilze zum Knuspern, aber eine nur minimalste Menge. Also musste das MDA wieder herhalten*
Das machte den Acidfilm schon etwas interessanter und irgendwie hatte ich plötzlich das Gefühl zu verstehen was hier passiert: Nachts auf der Fullmoon. Auf dem Mainfloor. Es ist eine lebende Legend, die jedes Jahr wiederkehrt. Dieser Krach schien plöztlich Struktur zu haben. Es quälte nicht mehr meine Ohren, sondern kitzelte sie, wobei ich schon im Ansatz nicht mehr sagen konnte welche Sinne von der Musik gereizt wurden ... bei geschlossenen Augen visualisierte sich der Sound und irgendwas anderes stellte er auch an - jedenfalls wollte ich mehr davon - richtige Synästhesien. Aber bitte nicht mit Hilfe von noch mehr MDA, denn schon wieder war ein bisschen dieses Vergiftungsgefühl da und das Zeug ging mir auf den Zeiger.
Ich liebäugelte damit, zum Camp zurückzugehen, doch wer garantierte, dass M. da war und somit die Liquidflasche in Reichweite? Doch das Glück wollte es so dass ich L.auf dem Floor traf - und eine ganz kranke Idee ergriff von mir Besitz - Pilze!
Man sollte Wissen dass mein Verhältnis zu Pilzen seit meiner versehentlichen 8g-Mexi-Overdose-Aktion in einer fremden Stadt etwas gespalten ist und die Wirkung ebensolcher seitdem noch viel unberechenbarer geworden ist als sie ohnehin schon war. Dummerweise komme ich meist gerade in solchen Bewusstseinszuständen auf die Idee das psychedelische Erleben zu komplettieren und abschussgerecht zu gestalten. Normalerweise hilft mir die Entspanntheit von MDMA, mich gelassen auf so etwas einzulassen, aber mit MDA und LSD geht das schon in eine ganz andere Richtung los ...
Naja, eigentlich weiss man sowas ja. Und man weiss genauso dass 2g Pilze hier wirklich böses anrichten können. Und trotzdem lässt sich der Lauf der Dinge nicht aufhalten. Immerhin bin ich dann meist noch vernünftig genug nicht alle Pilze auf einmal zu essen.
Aber die Gier nach "Erleben" führt dann doch viel zu schnell zum Nachlegen. Da ich in solchen Zuständen meist schon zu verplant bin um auf die Uhr zu schauen fehlt dann meist auch der Überblick wann die wievielte Dosis eingenommen wurde - jedenfall trotz der "nur" zwei Gramm in zu kurzer Zeit (fast) zu viel.
Die erste Dosis glich eher einem vorsichtigen Knabbern. Dementsprechend subtil stellten sich auch nach kurzer Zeit die ersten Effekte ein, die jedoch eher zum weiterknabbern animierten. Schnell war die Hälfte des Inhalts weggeknuspert, die Wirkung trat immer mehr in mein aktives Bewusstsein, sofern man behaupten kann dass ein solches noch existierte.


Klang-Entartung

Der Sound kitzelte nicht mehr, sondern wurde zu einer starken, konstant spürbaren anregenden Kraft. Seine Existenz war nichts besonderes mehr, sondern eher sein Wirken. Es war, als ob der Klang mehrdimensional wurde - in jeder Klangdimension wirkten die Töne wie Vektoren unterschiedlicher Intensität. Dieses Klanguniversum breitete sich im Raum aus und ich fühlte mich mittendrin. Jetzt plötzlich begann ich zu verstehen was hier abging. Der Krach, der sonst in mir ankam war nur das auf eine Dimension plattgemachte Rauschen dieser Klangvielfalt, welches ja nur ein hässliches Abbild dieses Kosmos ergeben konnte. Jenes Kitzeln, welches ich vorhin verspürte, war der Beginn der Aufspaltung dieser einen Klangdimension in seine dutzenden Untereinheiten, die ich nun mit all den anderen Menschen um mich herum in der Lage war wahrzunehmen.
Es war als ob eine Haube mit einem starken Filter von mir genommen wurde, der normalerweise die Wahrnehmung des Konzeptes dieses grossen Klangkunstwerks verhindert.
Es war nicht nur so, dass ich den Klang viel intensiver und in einzelne Dimensionen zerlegt hörte, sondern auch das Zusammenspiel der einzelnen Dimensionen mit fortschreitender Zeitachse eine Art erkennnbares Konzept erschuf. Wie einzelne Schweife in ihren Dimensionen brachten sich Klänge und Effekte in dieses Gesamtkunstwerk ein - und dieses Kunstwerk war lebendig, dynamisch und pulsierte. Es war gar nicht möglich es als Gesamtes zu erleben oder wahrzunehmen, die Reizüberlfutung war zu stark und ermöglichte manchmal nur ein Fühlen dieses Werks. Dieses Fühlen wurde phasenweise durchaus zu einer physischen Erfahrung - der Klang bekam tatsächlich Sturktur, die ich Imstande war zu berühren, zu ertasten. Ich spürte so etwas wie eine Metamorphose, die ich jedoch als so abstrakt empfand dass es mir unmöglich ist sie näher zu beschreiben. Irgendwie war ich Teil des Sounds und er Teil von mir - das damit einhergehende Bewusstseinsgefühl war jedoch zu blass um es einzufangen, dafür war vermutlich die Dosis zu gering.
Jedenfalls erlebte ich die Musik als etwas Vorgebendes. Sie herrsche und bestimmte über das, was möglich war, und was eben nicht. Sie manipulierte meinen Körper, meine Bewegungen, gab mir vor wie ich zu tanzen und mich zu bewegen hatte. Bestimmte Töne erzeugten ganz bestimmte Arten von Bewegungen: Rotationen, Translationen, so als ob es eben die Natur genau dieser Klänge war.
Und ich war dazu aufgefordert diese Natur in meinen Bewegungen umzusetzen. So wurde mein Körper zu einem schwingenden Resonator, von den Schallwellen zu bestimmten Bewegungen angeregt. Überlagerten sich die Töne, überlagerten sich auch meine Körperbewegungen sowie der von anderen um mich herum. Jeder gab den Sound mit seinen Eigenschwingungen wieder, individuell auf seine Art und Weise.
Es machte so ultimativ glücklich, sich fallen zu lassen, sich dem Klang zu überlassen und zu erleben, wohin er einen führt, was er in einem induziert.
Dennoch fühlte ich mich auf bestimmte Art und Weise überraschend klar im Kopf. Klar genug damit diese Freakshow in mir und um mich herum, ausgelöst durch diese verrückte Musik die mir sonst gar nicht taugt, ein intensives Glücksgefühl in mir verursachen konnte.
Teil von so etwas zu sein war unbeschreiblich. Obgleich ich überwältigt von all dem und so weit weg war, hatte ich keine Angst dass es zu viel werden könnte. Vor allem das im Ansatz vorhandene Gefühl der Metamorphose mit dem Sound rief eine gierige Sehnsucht hervor, noch tiefer einzutauchen - und den Rest Pilze zu futtern.
Gesagt, getan.
Irgendwie hatte ich plötzlich Lust auf Abwechslung und beschloss, dem Progressive Floor einen kleinen Besuch abzustatten. Auf dem Weg dorthin traf ich M. und A., eine Freundin von M.
Die beiden waren hocherfreut mich zu treffen, was weniger an mir sondern am letzten bisschen Amphesulfat lag, welches ich diesmal glücklicherweise mit zum Floor genommen hatte. Also suchten wir uns ein Plätzchen beim ProggyFloor und ich gab den beiden eine aus.


Science in my mind

Dieser Satz passt zu den Ereignissen auf dem Progressive Floor in vielerlei Hinsicht.
Ich hätte es einfach wissen müssen. Zwar ist man mit der Zeit ja wirklich erfahren genug (oder zumindest fühlt man sich so - und das ist schonmal das Wichtigste), um ordnungsgemäss mit dem "Psilo-Hirnfick" umzugehen. Aber steckt man erstmal drin, hilft einem die Erfahrung auch nicht mehr, sich da wieder rauszuholen, zumindest mir nicht. Einziger Aufhängepunkt zur Beruhigung ist, dass es nur seine Zeit braucht bis alles wieder normal wird. Schliesslich kam man ja bisher immer runter. Nur lag hier bei mir der Knackpunkt: Dieser Aufhängepunkt wurde für mich zu einer Gedankenschleife, die ich zwanghaft immer wieder und wieder durchlief und immer dasselbe beinhaltete:
1. Du bemerkst gerade was mit dir passiert. Das ist ganz normal und hast du schon zigmal erlebt.
2. Bemerkst du es immer noch?
Die Antwort fiel natürlich immer positiv aus, was wieder auf die erste Frage zurückführte.
Zwar war es mir möglich aus dieser Gedankenschleife herauszukommen, aber anstatt dann in dieser Schleife zu stecken, drehten sich all meine Gedanken um diese im Kreis, was also nur zu einer neuen Schleife führte.
Dieser Kreis lag mal nah an dieser Schleife, mal weiter weg, aber alles drehte sich nur um diesen einen Gedanken, der mir ja eigentlich helfen sollte wieder klar zu kommen, aber genau das Gegenteil verursachte. Dummerweise erkannte ich diese Tatsache und mit einer neuen Schleife versuchte ich mir deshalb diesen Gedankenloop auszureden, eine weitere versuchte zu analysieren warum das nicht funktionierte und plötzlich war dann alles im Kopf durcheinander, allein ein ganz subtiles, wirklich kaum wahrnehmbares Grundgefühl vermittelte mir die Gewissheit dass alles andere an Gedanken, was mein Gehirn sonst so ausdünsten kann, gerade einfach komplett ausgeblendet ist und ich mich jetzt halt zwangsweise mit dem beschäftigen muss, was mein Geist an Scheisse produziert, sich immer schneller dreht und dreht und das das Durchdrehen da eben auch dazu gehört.
Eigentlich war ja dieses Grundgefühl auch nur ein weiterer Gedanke sich zu beruhigen. Ein neuer fragte mich: wozu überhaupt sich beruhigen? Aber auch das war nichts als ein indirekter Versuch zur Beruhigung, die Unruhe annehmen sozusagen. Das Problem war das krampfhafte Versuchen, etwas geradezubiegen, was eben im Moment axiomatisch krumm war. Die Erkenntnis daran nichts ändern zu können, half mir nicht weiter, sie entlarvte sich wieder nur als gescheiterte Beruhigungstaktik. Ich war besessen von diesem einen Gedanken, alle anderen Gedanken mussten zwangsweise direkt zu ihm weisen (da ich gerne Vergleiche zu den Naturwissenschaften ziehe: Jeder Gedanke spürte eine Zentripetalkraft auf dieses Zentrum, einer total unnötigen Endlosschleife die unglaubliche Mengen von geistiger und mentaler Energie frass).
In diesem Zentrum steht normalerweise mein Geist, der über all meine Gedanken herrscht. Nun hatte es ein einziger Gedanke geschafft, sich ins Zentrum zu katapultieren und meinen Geist in die Periphärie zu schicken. Dieser eine Gedanke herrschte über mich, ich spürte es regelrecht wie er mich besass, mich zunebelte, so dass ich einen Grossteil meines mentalen Selbst nicht mehr wahrnehmen konnte.*
Ich wusste nur, dass da noch viel mehr sein musste, nur hatte es sich komplett meinem Bewusstsein entzogen. Deshalb sollte man auch eigentlich meinen, es passiere gar nicht so viel. Die paar wenigen Gedanken die präsent waren, in ihrer Gesinnung nichtmal bedrohlich, konnten nicht zu solch einer mentalen Überforderung führen. Nur ist man es halt nicht gewohnt nur ein paar Gedankenabläufe in solch einer Intensität zu haben. Und anstatt sie abzuschalten und an etwas anderes denken zu können, werden sie zu den schon beschriebenen Endlosschleifen, in denen man sich gefangen fühlt, da ja nur noch diese Schleifen als bewusstes Erleben des Selbst übrig sind. Es fühlt sich so an, als ob man in die einzelnen Gedankenschleifen hineingezoomt wird (um noch eine weitere Metapher zu verwenden, die diesen Zustand treffend beschreibt). Man lebt in diesen Gedanken.
Zum Glück steckte ich diesmal nicht in den Schleifen fest, was einer Verwandlung in die Gedanken gleich kommen würde. Mein Geist folgte den Gedankenschleifen, wurde von ihnen enorm angezogen aber blieb auf einer Kreisbahn, was einen Umsturz des Trips zum kompletten Identitätsverlust verhinderte. Dazu trug die leichte Panik in mir bei, denn sie wirkte als intensive Empfindung der Anziehungskraft meiner Gedanken entgegen und versuchte mein Bewusstsein hinauszuziehen, möglichst weit weg. Die Zentralkraft der Gedanken hielt sich mit der Fliehkraft der Panikempfindung die Waage. So hatte meine krampfhafte Suche nach "dem ganzen Rest" doch eine wichtige Bedeutung, auch wenn es anstrengend war. Aber ich musste die Richtung der Panikkraft nicht steuern, hätte ich auch gar nicht gekonnt. Zum Glück zeigt eine Fliehkraft immer senkrecht vom Kraftmittelpunkt weg und war somit zur Peripherie gerichtet: Zwar hatte ich keinen Anhaltspunkt wie weit weg und in welchem Winkel sich das befand, was ich zurückhaben wollte, aber Hauptsache weg von diesem Gedanken.
Im übrigen waren die Panikattacken nicht sehr intensiv, was sicher auch an meiner mittlerweilen soliden Erfahrung mit solchen anstrengenden Zuständen lag.
Das stabile Gleichgewicht gab mir etwas Sicherheit und blieb konstant, was mir noch mehr Sicherheit gab. Und vor allem Energie, mich mit meinem komischen Zustand zu beschäftigen.


Der Gedanken-Wandel

Die ersten konstruktiven Resultate meiner Selbstanalyse zeigten mir auf, wie lächerlich ich mich selbst in diesen Zustand reingeritten hatte. Ich war mit fortschreitender Zeit immer amüsierter darüber wie mein Hirn in der Lage war soviel Müll mit so wenigen Gedankenabläufen zu produzieren, der sich grenzenlos auftürmte so dass es kein Ende mehr sah.
Wie bescheuert war das denn?
Meine neue Selbstsicht verhalf mir zur Ablenkung, ebenso wie die Geschehnisse um mich herum. Eine Reizüberflutung kann dieses Chaos zwar erst verursachen, jedoch auch wieder vom eigenen Gedankenmüll ablenken wenn man einfach ohne viel nachzudenken versucht, sich nur mit der Aufnahme der sehr extremen Sinnesveränderungen zu beschäftigen. Und die war mal wieder ein Phänomen. ;-) Zwar suggerierte sie mir noch erbärmungsloser wie sehr der Bezug zu allem verloren gegangen war. Aber so lange ich nicht den Anspruch hatte, wieder Bezüge herzustellen die einfach nicht da sind oder an der Einordnung und Abspeicherung der optischen und akustischen Veränderungen verzweifelte war alles bestens. Zu Beginn der heftigen Tripphase versuchte ich die Wahrnehmungsveränderungen rational zu verarbeiten, was eine Mitschuld am aufkommenden Gedankenchaos trug. Infolgedessen konnte ich es nicht geniessen.
Aber ähnlich wie meine Gedanken fuhren mir auch die Optiken mit der Zeit sehr amüsant ein. Als sich die Erkenntnis "gedankenlos Erleben" dann endlich begann richtig durchzusetzen, hatte ich mit der verquerten Optik und Musik so richtig meinen Spass.


Die sinnliche Seite der Macht

(Anmerkung: Folgende Textpassage ist nicht unbedingt chronologisch zur letzten, sondern beschreibt eher parallel nun eben die Sinneswahrnehmungen, geht also nochmal zu "Beginn" des Pilztrips los)
Die totale Reizüberflutung kam sehr plötzlich. Ich stand auf dem progressive Floor, als von einem Moment auf den nächsten meine Körperteile keine festen Stellen mehr im Raum einnahmen. Ich konnte nach links schauen und sah meinen rechten Arm, oben sah ich mein Bein, manchmal sah ich mich von aussen aus der Vogelperspetive, dann sah ich plötzlich fast gar nix von mir - fast alles weg.
Doch damit nicht genug. Es gab nicht nur ein Sichtfeld, sondern gleich drei. Eines blieb konstant zentriert im Mittelpunkt meines Blickfeldes. Die anderen beiden befanden sich links und rechts davon und bewegten sich vom zentralen Sichtfeld weg, wieder darauf zu und überlappten kurz komplett mit dem zentralen Feld.
Dann fing ein neuer Durchlauf an. Diese Bewegung verlief längere Minuten konstant und stabil, vielleicht sogar synchron zum Beat. Ich sah also, bis auf die kurze Überlappungsphase, alles doppelt und dreifach(!). Manchmal war ich Teil der Sichtfelder (war also ausserhalb meines Körpers), manchmal nicht. Jedenfalls war das die durcheste optische Erfahrung die ich je erlebt habe.
Das Klangerleben lief nun auch ein bisschen anders ab: die progressive psychedelishe Musik passte perfekt zu meinem Zustand, in dieser Nacht ging mein Wunsch in Erfüllung, meinen damals aktuellen Lieblingstrack betrippt hören zu können (Parrket - Science in my mind). Ähnlich wie meine Sichtfelder konstante Bewegungen ausführten, bestand der Sound nun aus sich wiederholenden Loops und klang zudem extrem verändert, "kosmisch". Leider fällt mir kein besseres Wort ein, es gibt einfach keine passende Beschreibung für dieses Wirken des Sounds.
Nur zwei Dinge kann ich definieren: Einerseits wirkte der Sound wie eine Art Kraft. Dieses Fühlen des Sounds war mir nicht neu. Neu war eher das Fühlen des Sounds als Medium, als ob ich im Sound wie im Wasser Schwimmen würde. Dabei war das Medium von Turbulenzen erfüllt, die mich mitrissen, jedoch in harmonischen Strömen. Die Kraftwirkung des Klangs zog ich schon öfters als Beschreibung heran. Doch er war weit mehr als das, er war ein eigenes Element, unzuerstörbar mit dem Universum und meinem Sein verknüpft.
Er war Akasha, der Äther, das fünfte Element.
Und ich lebte in ihm. Leider fehlte mir die Klarheit um mich für längere Zeit mit seinem Wirken zu beschäftigen, und allzu schnell war dieses Wirken auch zu überfordernd um sich damit tiefgehender auseinanderzusetzen.


Ein Mensch im Mittelpunkt meiner Welt

Trotz aller optischen und akustischen Turbulenzen stand ich physisch und psychisch noch mit einem Bein zumindest halbwegs in der "klassischen" Realität, die nun vielmehr eine Subgruppe einer übergeordneten, allgemeineren Welt war. Die Geschehnisse in dieser Realität erreichten mich vor allem in jenen Phasen, in denen mein Gedankenchaos nicht so stark war (diese Gedankenflashs kommen bekannterweise wellenförmig).
Dass solche Phasen existierten sorgten für etwas Beruhigung, und in diesem Phasen kam ich meinem Wunsch nach, mich mit A. zu unterhalten, die ich ja gerade vor wenigen Minuten erst kennengelernt hatte.
Sich zu unterhalten war in menem Zustand extrem anstrengend. Wie soll man auch klare Gedanken fassen und ein sinnvolles Gespräch führen während gerade drei Sichtfelder übereinanderlappen und alles in einem optischen Chaos explodiert, man in einem Äther mit kosmisch-akustischen Strömungen badet und zwischen Ich- und Vogelperspektive hin- und hergesprungen wird?!
Und die Dame machte es mir zudem mit den Gesprächsthemen auch nicht leicht, aber ist auch irgendwie Selbstverschulden wenn einem mitten aufm Trip keine bessere Frage einfällt, was sie denn sonst so in ihrem Leben macht. Da war eine Antwort auf die Gegenfrage fast unausweichlich. Mein gewohntes Leben war so unvorstellbar weit weg, dennoch hatte ich den Anspruch in der Lage sein zu müssen, mich mit ihr zu unterhalten. Es war laut, doch das war das geringere Problem. Viel schwieriger war es, mehr wie zwei Sätzen folgen zu können oder überhaupt nur die einfachsten Zusammenhänge zu verstehen und dennoch den Anspruch zu haben sich normal in die Kommunikation einklinken zu können. Diesen Anschein schien ich zu Beginn ganz gut vermitteln zu können.
Da es wirklich laut war und beim Tanzen eh nur am quatschen waren setzten wir uns ein bisschen entfernt vom Dancefloor auf den Boden. Ich wusste noch nicht so genau ob das eine gute Idee war, jedoch blieb zu hoffen dass bedingt durch die geringere Lautstärke und weniger Lichteffekte eine bessere Konzentration auf A. möglich war. Das war nur bedingt der Fall, aber immerhin verstand ich sie jetzt akustisch besser. Wer auf nem Trip schon mal versucht hat ein sinnvolles Gespräch mitzugestalten wird wissen was das für eine Herausforderung ist. Die Herstellung einfacher Zusammenhänge war, wie schon erwähnt, alles andere als trivial und sehr schnell hatte ich das Gefühl, dass es dem Glück überlassen blieb ob ich A. wirklich etwas antwortete, was mit dem Thema zu tun hat. Mehrmals blieb ich auch schon nach wenigen Sätzen oder mitten im Satz hängen und hatte den Faden verloren. Warum musste auch gerade in diesem Zustand die Quantenphysik und meine Zukunftspläne in den Neurowissenschaften diskutiert werden? Oder ich mich in der Lage fühlen ihr erklären zu können was meine Aufgaben als Virtual Reality Modeler beim Max-Planck Institut war.
Dass ich gerade dabei war eine ganz andere Realität parallel zu modellieren beinhaltete schon eine unglaubliche Situationskomik. Es verschickt schon sich auf wissenschaftlicher Ebene mit solchen Dingen zu beschäftigen, während man ja nicht mal mehr definieren kann was mit der eigenen Realität grad passiert. Dementsprechend dauerte es auch nicht lange bis ich mich dazu gewzungen sah ihr meine Situation zu erklären. Was für mich eine als eine bedeutungsolle kosmische Erklärung zu sein schien, war in der Praxis wahrscheinlich nur die Feststellung "Ich komm nicht mehr mit und grad nicht klar".
Dabei fühlte ich mich so hilflos und bescheuert, denn was sollte sie schon von dem gross nachvollziehen was gerade in mir vorging? Das schaffte ja nichtmal ich selbst. Mein Vorstoss machte sie soweit ich das in Erinnerung habe noch neugieriger und ich sollte beschreiben wie ich mich fühle und was ich sehe.
Na toll, auch das war kein einfacheres Thema. Wie soll man etwas beschreiben, für das der gängige Sprachschatz kaum Möglichkeiten bietet und die wenigen Metaphern, mit denen es vielleicht doch noch möglich wäre nicht in einen einfachen Satz mit Subjekt-Prädikat-Objekt zu kleiden sind (leider hatte ich eben gerade null Zugriff auf mein sonst so solides sprachliches Potential)?
Zum Glück redete sie mehr als ich.
Meine Erinnerungen an unsere Gespräche sind noch gut ausgeprägt, jedoch kann ich natürlich nicht mit Sicherheit sagen ob ich alles noch korrekt in Erinnerung habe (liebe A., deshalb verzeih mir falls ich hier irgendwas falsch zusammenkonstruiere und lass es mich wissen).
Sie bezeichnete sich als Kontrollfreak und begründete damit ihre "Abneigung" zu LSD und Pilzen. Und auf der anderen Seite meinte sie, so schon voll durch zu sein und manchmal das nüchtern zu erleben, wofür andere sich Trips einbauen und dass sie nicht wüsste was mit ihr passieren würde wenn sie das auch noch durch halluzinogene Mittel verstärken würde. Sie erzählte eine ganze Menge, zumindest kam es mir so vor. Wahrscheinlich war dem gar nicht so, aber jeder ihrer Aussagen kam eine ganz besondere Bedeutung zu. Ihre Sätze standen im Kontext zu einem universellen Verständnis, welches sie verkörperte und an mich herantrug. Ebenso fügte sich das Wenige was ich zu dem Thema beitragen konnte in diesen kosmisch-universellen Kontext ein.
Und sie verkörpete plötzlich die Perfektion des Kosmos, war das Paradebeispiel schlechthin für die absolute Bedeutung von Existenz. So perfekt und erfüllend wie ich Existenz empfand, so perfekt war sie als ein Ergebnis der Existenz. Ich spürte ihr Bewusstsein extrem, und sie stand stand plötzlich im Mittelpunkt des grossen Ganzen, sie verkörpterte und vereinte alles in sich und ich verspürte eine ganz abstrakte Art von Liebe für sie, weil sie da war und im Moment den kosmischen Fluss reflektierte.
Es war unglaublich wie sie sich auf mehreren Ebenen so ins Zentrum meines Universums katapultierte.
Die Dinge hatten ohne besondere Bedeutung ihre besondere Bedeutung. Das ist dieses Gefühl, eins zu werden mit dem Universum, plötzlich alles zu wissen und gleichzeitig gar nichts zu wissen, jedes Detail zu erfassen, die Vorstellung vom Ganzen haben ohne diese Vorstellung festhalten zu können. Diese plötzliche Erfahrung, die einem zu Kopf steigt löst eine Reaktion in einem hervor, die kein Ergebnis erzielen kann. Das momentan Gefühlte rational zu erfassen ist unmöglich.


Selbstauflösung und Sinnlosigkeit als Prinzip absoluter Freiheit

(Anmerkung: Bin beim Schreiben sehr stark ins allgemeine über die Ego-Auflösung abgeschweift. Jedoch war es schwierig diese Betrachtungen aus dem Bericht auszuklammern oder hinten anzuhängen, weshalb ich es nun so lasse wie ist und diese Reise sozusagen als Fallbeispiel für allgemeine Betrachtungen herangezogen werden kann)
Die Ego-Auflösung ist dann komplett, wenn man die Dinge, die um und in einem vorgehen einfach nur fühlt, aber nicht mehr verstehen kann. Bei einer fast vollständigen Auflösung bleibt immer der Versuch übrig, das Empfundene geistig zu prozessieren, es mit Ratio aufzulösen. Das ist ganz normal, wir richten unser ganzes Handeln nach diesem Prinzip aus.
Aber in solch einem Zustand funktioniert das nicht mehr, dies war auch mein Problem während der heftigen Trip-Phase: Das zwanghafte Verarbeiten des Erlebens mit dem Verstand.
Sobald diese Verarbeitung aufgegeben wird, erreicht der Trip und mit ihm man selbst eine neue Stufe der Existenz. Dafür muss nichtmal eine komplette Selbstauflösung erreicht worden sein, es reicht wenn man die Teilauflösung hinnimmt und einfach nur fühlt, ohne daraus Gedanken aus dem Gefühlten folgen zu lassen. Das ist wahnsinnig schwer, weil Gefühle immer reflektiert werden und andersherum aus Gedanken Gefühle entspringen.
Die Trennlinie zwischen Gedanken und Gefühlen verschwimmt zusehends und aus beiden wird eine Art Verschmelzung, ein "universelles Fühlen" welches keiner Hinterfragung und Zerlegung mehr bedarf.
Man tritt in einen Zustand ein, der im klassischen Sinne absolut sinnlos ist, weil unsere klassischen Prozesse uns nicht nutzen und somit keine "produktive" Verarbeitung des Erlebens möglich ist. Somit wird das was uns im herkömmlichen Alltag ausmacht, grösstenteils nutzlos, das wiederum befreit uns gleichzeitig jedoch auch von den Ketten die uns sonst an unsere strukturierte Welt binden und unser Wesen auf die Interaktion in dieser Welt reduzieren. Deshalb ist Sinnlosigkeit gleichbedeutend mit Freiheit in diesem Sinne.
Diesmal erreichte ich nicht die absolute Sinnlosigkeit und hatte somit auch nicht das Gefühl der grenzenlosen Freiheit. Das merkte ich vor allem daran, dass mein Zeitgefühl zwar etwas entfremdet, aber nicht vollständig entartet war. Die Zeit lief noch und die Vorstellung in ein paar Stunden wieder unten zu sein war absolut sicher.
Spätestens ab diesem Gedankenpunkt waren sämtliche unangenehmen Gefühle verschwunden. Es ist die Natur von Trips dass sie genau so verlaufen können wie es diesmal der Fall war und diese Konstanz und Vertrautheit mit dem Verlauf machte es deutlich einfacher, sich nun voll entspannt auf die nächsten Stunden voller Spass einzustellen.
Es folgte die Phase des sanften Landeanflugs, so eine passende Umschreibung. Es ist wirklich so als ob man vom Flugzeug aus dem Fenster schaut und der Boden mit all seinen Details immer näher kommt.
Im allgemeinen lässt sich ein Trip gut durch einen Flug beschreiben. Je höher man kommt, umso mehr konstante Faktoren aus unserer Umgebung werden verzerrt und verändert. Der Flug ins All ist dabei die physikalische Ablösung von der Erde: Man ist von der Schwerkraft entbunden. Aber so lange man sich noch in der Atmosphäre befindet, wirkt die Schwerkraft noch - wenn auch oft nur sehr schwach.
Genauso ist es auch mit dem Realitätsempfinden in psychedelischen Bewusstseinszuständen. So ein Höhenflug in der Atmosphäre kann viel turbulenter und komplizierter verlaufen als eine Space-Shuttle Mission ins All. Jedoch kann der WIedereintritt in die Atmosphäre auch sehr kompliziert werden.
Beides kann kompliziert oder unkompliziert verlaufen, geeigneiter halte ich jedoch zumindes in einem Partyumfeld "nur" einen (unter Umständen) extremen Höhenflug, da eine komplette Ablösung einen während des Trips und auch unter Umständen danach sehr intensiv beschäftgt und die Wahrscheinlichkeit grösser ist die Party nicht geniessen zu können, da deren Geschehnisse ja real sind und auch mit einem gewissen Realitätssinn verarbeitet werden, der lieber beflügelt und verzerrt werden sollte als zerstört.
Da ist es einfacher, mit einem Bein halb in der Realität zu bleiben und so den Flug besser steuern zu können. Die entspannende Landflugphase tritt auch in diesem Fall ein, auch wenn in anderer Qualität als nach einer kompletten Selbstauflösung.
Wenn eine gewisse Basis der Realität noch intakt geblieben ist, ist es viel einfacher eigentlich nicht rationalisierbare Trip-Zustände doch mit reflektiven und rationalen Mitteln zu analysieren und so einen Plan zu bekommen was in einem vorgeht ohne dass dabei der Trip an Magie verliert.


Die sanfte Landung

Genau in solch einer Landungsphase befand ich mich dann einige Stunden. Der Sinkflug war anfangs recht sanft, ich fühlte mich wie ein Autopilot, der den Flug sich selbst überliess und sich lieber mit dem Gebotenen beschäftigte. z. B. erreichte die Optik zu Beginn dieser Phase einen zweiten Höhepunkt (der erste waren die drei Sichtfelder :D).
Einzelheiten fallen mir leider nicht ein, doch einige werden sie sicher kennen und schon erlebt haben. Nur eine Situation blieb mir besonders in Erinnerung. Mit M. und A. kletterte ich am frühen Morgen auf den Hügel des Hangars der zwischen den beiden Floors lag und konnte so auf je einer Seite einen der Floors sehen, ausserdem überlagerten sich natürlich die Klänge, wobei der Proggyfloor gegen die krasse Anlage des Mainfloors nicht so gut ankam.
Es lief immer noch härtestes Gebretter auf dem Main, aber das war jetzt überhaupt nicht wichtig. Der Floor unter mir war in ein unglaubliches Farbenmeehr gebettet, Wellen in verschiedenen Farben gleiteten nach oben und unten. Es musste rein physikalisch einfach ein Zusammenspiel aus der Laser/Lightshow, dem Staub sowie Nebelschwaden sein. Der Mix sah in meinem Zustand gigantisch aus. Dieses Farbenspiel ging über in den dämmernden Horizont, der auf seine Weise wieder etwas wahnsinnig bezauberndes hatte und mir sehr nah vorkam.
Alles war so nahe. Verwachsen und Verbunden miteinander. Eins. Was hier zelebriert wurde war unglaublich. Ich befand mich in Utopia. Und dieses Utopia war genau so wie ich es mir immer erträumt habe.
Die Party war im Fluss und dieser Fluss durchströmte alles, mich inklusive. Ich stand einfach eine Weile da und genoss das Farbenspiel, die immer fortschreitendere Dämmerung, das stärker werdende Licht.
Der Phasenübergang von der Nacht in den Tag vollzog sich schnell, doch die bezaubernde einzigartige Atmosphäre blieb. Und ich würde noch einige Tage an diesem Ort bleiben und leben. Ganz egal ob auf Trip oder nüchtern, solche Orte haben mein Leben in jeder Hinsicht bereichert und bereichern es immer noch. Zeigen mir immer wieder was möglich ist, welche Grenzen man sprengen kann und wie ein Miteienander im Freak-Utopia aussieht.
Nun war die Zeit für die Landung gekommen. Am selben Platz wo ich gestartet bin. Und es blieb die glückliche Vorstellung, noch einige solche Ausflüge ins gewisse Ungewisse vorzuhaben - an diesem Ort und vielen anderen zu anderen Zeiten. Denn dafür sind wir ja hier.
Ich trippe, also bin ich.


Halluzinogene und Hedonismus

Ja, man kann sich mit Halluzinogenen abschiessen. Und manch einer der dies tut, wirkt in seinem Verhalten genauso primitiv wie einer, der ein paar Teile oder Lines zuviel verkonsumiert hat.
Es ist auch keineswegs so, dass Halluzinogene nicht als reine Spassdroge missbraucht werden können. Diese Konsumintention hat genauso ihre Berechtigung wie jene die, wie immer viele betonen, rein der "Bewusstseinserweiterung" (ein verbrauchtes Wort) dient.
Der hedonistische Umgang mit LSD und Pilzen wird hin und wieder gerade von solchen Konsumenten, die Halluzinogene nur zur "Selbsterfahrung" einsetzen, kritisiert. Dabei ist Selbsterfahrung für sie ein sehr engstirniger Begriff, in dem teilweise kein Raum für die Berechtigung solcher Erlebnisse ist, wie ich es hier schildere.
Ich habe meine extrem-horizonterweiterternden Erfahrungen mit Psychedelika gemacht, bin an Orten gewesen wo nichts mir von mir und der Projektion meiner Realität existiert hat und zu der Erkenntnis gekommen, an solchen Orten nichts mehr zu suchen zu haben, da ich alles, was ich in Zusammenhang mit meiner Existenz, wie auch dem universellen Sein gesucht, gefunden habe.
Die Selbstfindung ist nie abgeschlossen, aber der Erkenntnisreichtum von Psychedelika auf diese bezogen ist momentan ausgereizt. Möglicherweise ändert sich dies irgendwann mal wieder, jedoch habe ich erst noch viel auf konventionelle Art zu lernen - Wissen ansammeln - in Naturwissenschaften, Philosophie. Dann können mich Trips wieder neue Dinge lehren.
Eines jedoch geben sie mir auch jetzt - nämlich Spass. Es geht mir um die Reizüberflutung.
Trips sind für mich hedonistische Ausflüge in eine andere Welt. Ich möchte mich nicht mit immer mit anspruchsvollen Erkenntnissen beschäftigen, die mein Realtitätsempfinden entfremden. Diese Gefahr besteht bei psychedelischen Substanzen immer, selbst wenn man nur auf Spass aus ist.


*MDA hat in den letzten Wochen und Monaten desöfteren als Ersatz für allle möglichen anderen Substanzen herhalten müssen.

*Manche verstehen das glaube ich als Ego-Auflösung, ich bin mir da jedoch nicht so sicher

Verfasst: Di 7. Nov 2006, 08:30
von elfchen
wow krass...........
hat mich echt gefreut das zu lesen..........du bist der erste den ich treffe der einen trip so treffend beschreibt.......
habe viele sachen wiedererkannt...:-)
greez und noch eine schöne woche......smile.........

Verfasst: Di 24. Apr 2007, 19:24
von Tatzuwurm
DOI


Frühling 2005. bin gerade mit einer guten freundin an einer kleinen geburiparty. entschliesse mich in der nacht mit ihr einen LSD-trip zu teilen.
wir unterhalten uns haben freude an der musik und tanz. doch müdigkeit überkommt mich schon bald, ehe der trip schon den höhepunkt ereicht hat.
ich schlafe 4, 5 stunden und wache nüchtern und etwas fröstelnd auf. die wirkung vom d-lysid ist bereits verflogen und ich ärgere mich ein wenig das ich den trip verschlafen habe.
ich entschliesse mich doch noch etwas d-lysid nachzulegen. ich gehe zu einem typen der mit ner buddel kräuterschnaps auf dem floor rumschwankt und frag ihn um LSD. prompt kramt er in seinem dilliranten zustand nach seinem trippebäggy und drückt mir eine pyramide in die hand. zu dem zeitpunkt wusste ich nicht das es sich bei pyramiden-trips um diverse dimethoxy-amphetamine handelt. bis dahin hatte ich von letzteren auch noch nie gehört.
er schenkt mir das ding. ich sage meinen dank und teile das ding zur hälfte. futtere sie und leg die andere hälfte weg. nach 10 minuten treffe ich den kräutermann und er sagt mir völlig entsetzt er habe mir von den falschen trips gereicht. er hätte an stelle von LSD, DOI herausgegeben. ich steh da und sag ihm meinen ironischen dank. etwas mulmig wurde mir schon, da ich diese substanz nicht kannte. nunja ich fragte und bekam eine ziemlich bescheuerte antwort- aber damals wusste ich ja auch noch nicht das meskalin nicht synthetisierbar ist.
jedenfalls nach ca. 1 stunde fing ein leichtes magengefühl an. dieses gefühl erinnerte mich dann doch etwas an acid, aber schon eine 1/4 stunde später konnte ich spüren das es etwas anderes war. mir wurde ein bisschen schwindlig im kopf und ich bekam das gefühl als schwankte die welt um mich herum.
- ich gehe umher und versuche ein bisschen das magenrumoren zu zerstreuen. dies gelingt mir mit mässigen erfolg. ich frage meine kollegin, ob sie mit mir ein bisschen laufen ginge. sie sagt ja und zusammen laufen wir ein bisschen. weg von den leuten, weg von der musik.
-wir gelangen zu einer grünen wiese. dieses grün wird smarakt und ist in seinen erscheinugsfarben extrem intensiviert und vielseitig. der tau darauf versetzt die ganze wiese in ein filligranes kunstwerk von farbigen reflexen und partickel. ich realisiere das gesehene in einer klarheit die doch sehr an hyperrealistische computerfotografie erinnert.
- C. (meine begleiterin) sagt mir plötzlich etwas von einem pfadilager und zeigt durch die sträucher am rande der wiese und ich sehe das sich dort ein bach durchschlängelt und auf der anderen seite braune pfadizelte aufgestellt sind. plötzlich lasse ich dieses wort immer und immer wieder in meinem geiste kreisen. PFADILAGER. ich beginne zu lachen. anfangs ein kichern, dann schwillt es an zu einem reissenden strom. desto mehr ich lache desto ausgeprägter verändert sich die umgebung. schliesslich bin ich mitten in einem hysterischen lachkrampf und meine kollegin stimmt mit ein. belustigt von meinem ausbruch. die lache beginnt hohl und metallisch in meinen ohren nachzuklingen und langsam tut mir bauch und brust weh vor lauter lachen.
- wir laufen wieder ein bisschen und ich lache vor mich hin. schliesslich gelangen wir zur party zurück.
- eine weitere stunde ist um und ich habe mich ein wenig beruhigt. ich verbringe die zeit mit interessanten, intellektuelen und witzigen gesprächen. baue an und ab einen joint und teile meine spontanen eingebungen mit.
sehr empathogene momente werden erlebt und optische aktivitäten sind kaum noch vorhanden. ich treffe wieder auf herrn appenzellerkräuter und danke ihm für dieses irrtümlich für LSD-gehaltene geschenk. ich sag ihm wie passend und korekt es ist, dass ich ausgerechnet hier und jetzt diese bekanntschaft damit machen darf.
- ich gehe etwas tanzen und als ich so tanze sehe ich eine frau die ein rotes tuch um die schultern und goldene,grosse orreifen trägt, schwarze haare, feines besticktes kopftuch. mir gehen bilder und erinnerungen von zigeunerwahrsagerinnen, hexen, spanischen esmeraldas durch den kopf und ich bin gerührt von ihren geschmeidigen, fliessenden tanzbewegungen. feuergleich fegt sie über die tanzfläche. vom einen ende zum anderen und ihr tuch scheint sie dabei regelrecht in brand zu stecken. ich stehe da und komme aus dem staunen nicht mehr heraus. ich werde überwältigt von schönheit und grazie. dann, als ich fast glaubte die gesamte schönheit des seins des kosmos, vereint in dieser frau zu sehen und zu staunen, zieht sie ein neongrünes petbong hervor und beginnt sich eine mischung zu machen.
ich denke: BöNGLI. und dieses wort lässt mich auf den rücken kullern vor lachen. ich liege im laub und spüre die orgasmischen lachwellen in meiner brust tanzen und wüten, einem taifun gleich der mich an den rand des menschlichen wahnsinns reisst und von da wieder zu geerdeter besinnung. beides scheinbar gleichzeitig, eingsponnen im schizophrenen kontext des sich selbst bewusstseins. 4 ,5 leute stehen plötzlich um mich herum und blicken auf mich hinab. wie neugierige zoobesucher, oder verwunderte psychiater. der ausdruck ihrer gespenstisch-verwirrten gesichter entlockt mir weitere lachsalven und ich würde ihnen gerne sagen was abgeht, aber das einzige wort das ich über meine lippen bekomme ist: BöNGLI!!!
- c. steht jetzt auch da und lacht und erklärt sich für mich. vielleicht ist es ihr ein wenig peinlich. obwohl es das ja nicht muss.
15 minuten vergehen. ich beruhige mich wieder und verspüre hunger und durst. ich sättige mich an dem liebevollgestalteten gratisfrühstück und jeder bissen verströmt wieder diese empathische zufriedenheit mit sich und der welt in meinem körper. ich setze mich hin zu einer frau und sie fragt mich nach meinem befinden. sie lächelt und streichelt mir den kopf. sie mache sich ein bisschen sorgen um mich. ich sage ihr das ich mich gut fühle und das ich unter einer sehr verrückten substanz stehe. sie nickt und sagt ich solle auf mich aufpassen. ich danke ihr für ihre anteilnahme und wir beide diskutieren noch eine weile über gott un die welt.
- jetzt rast die zeit dahin. zeitliche blackouts lassen die einflüsse und interpretationen zu einer öligen,verfliessenden masse zerinnen. ich sitze mit c. am bach und bastle kleine holzpilzchen die ich dort in den sand stecke.
dann stehe ich wieder auf dem floor und höre verzerrte psychedelische klänge. eine mischung aus sound, palaver und waldgeräuschen, so psychedelisch wie es wohl kein mischpult und soundprogramm je berechnen könnte.
ich trinke schokolade vom übriggebliebenen zmorgen. eine achterbahnfahrt für meine geschmacksknospen. bezaubernd wandert die sonne gemächlich über die glitzernden und zitternden baumwipfel und bei diesem anblick wird mir bewusst das es ja noch soetwas wie zeit gibt. ich suche c. und auch sie hat an das gedacht das ich gerade fragen wollte. wann wollen wir heimwärts?
sagen wir noch ein stündchen. verabschieden und so, dann mal los. ich frage wie es ihr den gehe. sie nickt und findet gut. sie fragt mich ob sie nicht vielleicht einen viertel von meiner zweiten DOI-hälfte haben dürfe. ich frage sie ob sie das wirklich möchte. sie möchte und ich überlasse ihr dieses mikroskopische instrument der bewusstseinserweiterung. respekt erfüllt mich beim anblick dieser zerteilten pyramide.
- die stunde schmilzt dahin wie märzeis in der sonne. wir packen unser weniges hab und gut und verabschieden uns. es folgt uns noch ein gemütlicher bärtiger mann der in unserer diskusionsrunde dabei war. er begleitet uns und zu dritt laufen wir über die wiese, auf der ich ein paar stunden zuvor heftige lacher ausgestossen habe. ich versuche mit dem pfadilagerwort erneut ein lachen herauf zu beschwören aber eine bewusst-absichtliche reaktivierung gelingt mir nicht. wir erreichen den shuttlebus und können bis zum bahnhof mitfahren. ich drücke dem fahrer einen zwanziger haschbrösel in die hand un bedanke mich. er dankt seiner seits und spekulierte wohl, ob ich das wohl auch getan hätte, wenn ich nicht so "verschliffen" wäre.
- c. und der bärtige sitzen im zug und wir fahren richtung zürich. eine lustige zugfahrt. es beginnt mir wieder zu "schuben". bewegungsdrang und redefluss ergreifen von mir besitz und kleine lachzwischenfälle scheinen die paradoxie meines daseins im zug gegenüber den reisenden zu verstärken. mich kümmerts wenig ich geniesse die fahrt.
- in zürich angekommen trennen sich unsere wege. der bärtige verlässt uns und wünscht uns alles gute. wir ihm natürlich auch und ziehen von dannen.
wir müssen warten. unser anschlusszug kommt gegenwärtig in einer knappen stunde. warten. in diesem gigantischen bahnhof der mehr ein ameisen haufen als ein bahnhof zu sein schien. wow. all diese verschiedenen ströme menschlicher energiebündel. all dieses gedachte das sich glasklar vor mir abzeichnet aber so zusammenhangslos scheint wie all die tausend wortfetzen.
zvilisation. tumult. ein bollwerk menschlicher unvernunft. die absolute reizüberflutung. ich staune und wundere mich sogleich das ich bei all dem erblickten nicht einfach den verstand verliere. ca. 9 stunden bin ich jetzt schon auf dieser droge und ihre kraft scheint eine konstante zu sein, die präsenter an mir haftet als so mancher anderer stoff.
- c. und ich laufen umher und wollen gerade in den untergrund stechen, da fällt mir eine polizeipatroulie auf. ich beginne zu schmunzeln und denke mir das, das sich wohl jeder illegal,legal,scheissegal berauschte wohl bei dieser begegnung denkt: ach wenn die nur wüssten. haha!
ich fange sogar den blick des einen ein und erwiedere ihn mit einem breiten grinsen das eine mischung aus sympathie und veräppelung darstellen mochte.
dann verschwinden wir und die rolltreppe befördert uns in den untergrund.
wieder eine art kulturschock überkommt meine sensiblen sinne, beim anblick
dieses kalten, schmerzenden neonröhrenlichts. das kreischen ankommender, bremsender züge, das gplapper all der eiligen menschen. wumms. irgendwo in all dem chaos setzen wir uns zu einem türkischen imbiss und bestellen etwas zu essen. der improvisierte kebappbausatz regt dann schliesslich meine gelüste doch nicht mehr so an, jetzt da er so da liegt auf einem weissen keramikteller, wie ein erlegtes tier, cocktayl und jogurthsosse blutend. es wird mir, als hörte ich dieses saucetriefende etwas gurgelnd aufstöhnen. das fötzelig, fransige zottelfleisch das aus dieser brottasche klafft erinnert mich zusehends an autobahnopfer.
c. beisst hinein und scheint keine probleme damit zu haben. ob es daran liegt das sie sich einen falavel bestellt hat?
schliesslich beiss ich auch hinein und der hunger und der süsslich würzige geschmack besiegen meinen ekel und schlagen ihn vollends in die flucht.
wir essen und dann läutet mein handy. dieses gerät das ich seit stunden vergessen habe. ich überlege mir nicht ran zugehen aber etwas sagt mir das es schon ok ist wenn ich rangehe. ich nehme ab und am anderen ende ertönt die lieblich-provokante stimme meiner wg-mitbewohnerin. wo ich den stecke und wann ich gedenke wieder mal heimzukommen. einen moment lang bin ich versucht zu fragen ob sie ihre mütterlichen komplexe gegenüber mir immer noch nicht überwunden hätte, aber ich verkneife mir das und begrüsse sie. sag ihr das ich bereits auf dem heimweg sei und das ich unter heftig psychedelischen drogen stünde. sie lacht. ihr lachen klingt rostig und etwas verstaubt, so als käme es von weither. vielleicht eine millionlichtjahre oder so. längst vorbei und im strudel der zeit untergegangen, aber erst jetzt von meinem funk aufgefangen.
sie teilt mir mit das noch ein kollege bei uns wäre und das sie einfach mal fragen wollte wo ich den so stecke. bis gleich du flashkopf und gib acht auf dich. dann hör ich sie noch im hintergrund zu ihrem freund sagen: der ist ja "hunesch" drauf. sie sagt es sichtlich belustigt und ich bin versucht mit einer erneuten lachsalve zuantworten. aber irgendwie will mir das nicht gelingen. scheint so als wären meine seretoninreserven für den moment aufgebraucht.
sie hängt ab ich auch und c. und ich machen uns auf den weg richtung gleis.
- im zug gen bern erleben wir noch ein paar witzige begenungen und ich merk c. den viertel schon ein bisschen an, zumal sie auch die ganze nacht auf d-lysid unterwegs war.
ein paar mädchen sitzen vis à vis von uns lachen und schnattern wie es junge mädchen tun. wir erwidern das lachen und das positive grundgefühl.
dann kommt langenthal. zeit das sich unsere wege für heute trennen. c. bleibt sitzen, umarmt mich wünscht mir alles gute und lässt danken. ich tu es ihr gleich und steige aus.
der zug fährt hinter mir ab und ich bleibe eine weile auf dem bahnsteig stehen. ich geniesse das sein und bin dankbar das ich und die welt sind. die warme frühlingsabendsonne fühlt sich einfach fantastisch auf meinem gesicht an. ich schliesse die augen und auf dem rot-orange pullsierenden hintergrund meiner lider beginnen harmonische kalaidoskopieen zu tanzen. bilden abstruse formen und muster und verstärchen mein wohliges gefühl des geborgenseins. mutterschossgleich und mich stark an LSD erinnernd.
- ich schreite heimwärts einen flaumigen wind im rücken und intensive frühlingsfarben um mich herum.
als ich dann in unsere wohnung schreite begrüssen mich meine beiden mitbewohner und ihr kollege. auch sie scheinen einen schönen tag verbracht zu haben. wir reden noch eine weile und sitzen auf dem balkon und dann lege ich mich bald enmal schlafen ich bin müde und lege mich ins bett. schlafe ein und rutsche in einen von endooptischen effekten geprägten traum.
- am tag darauf- sprich nach gutdurchgeschlafenen 13 stunden fühlte ich mich topfit und wohl, immer noch die frischen erinnerungen an meine reise in mir tragend freute ich mich auf alles weiter.


Dieses sehr schöne erlebnis mit Dimethoxy-Iod-amphetamin blieb mir bis heute in guter erinnerung. vielleicht romantisiere ich die ereignisse zu sehr und bausche sie interpretatorisch auf, aber auf jedenfall kann ich mit gewissheit sagen, das es manchmal für das erleben einer substanz ganz von vorteil sein kann, wenn man nichts über sie weiss. dies sollte jedoch trotzdem mit dem nötigen respekt geschehen.
3 weitere erfahrungen in jeweils um die hälfte reduzierten dosisbereich erwiesen sich auch als ausgezeichnete bewusstseinszustände jedoch in wesentlich geerdeter und bodenständigerer form.
meinen erachtens stellt DOI eine der wertvollsten synthetischen psychedelika dar die von menschenhand geschaffen wurde. Eine spätere erfahrung mit DOB erwies sich als zu metallisch und kalt. zu fest war es mit der herkömmlichen amphetaminwirkung verknüpft. DOM, DOE, DOC habe ich noch nicht ausprobiert. sofern sich mir die gelegenheit dazu bieten sollte, wäre ich nicht abgeneigt. aber vielleicht wird und soll das nicht der fall sein.
ich beende hiermit meine ewig lange litanei über diese substanz und wünsche allen, die ihr irgendwann in ihrem leben begegnen mögen einen schönen und bewusstmachenden umgang damit.
Farbig