Ich möchte mal zu dem Thema schreiben, wie meine Einstellung zu Kopien von Software ist, einfach um gewisse Dinge klarzustellen, die möglicherweise, aufgrund meiner Beiträge nicht ganz korrekt verstanden wurden.
Zum einen Unterscheide ich zwischen Anwendungen und Games.
Anwendungen wie MS Excel, MS Word kenne ich persönlich und ich besitze sogar eine bzw. mehrere Originale. Allerdings auch nur, weil die beim Compi mitgeliefert wurden, bzw. von meinem Arbeitgeber günstig verkauft (150 Fr.). Hätte ich ein Problem damit, sie auf illegale Weise zu benutzen? Im Grunde genommen, nein.
Micro$oft ist nicht nur einfach eine Firma, die Programme herstellt, sondern es ist eine Firma die mit unlauteren Methoden ihre Ziele erreicht, die darauf aus sind, alle Konkurrenten zu vernichten. Das ist nicht die Idee der freien Marktwirtschaft. Wettbewerb bedeutet nicht Monopol.
Hinzu kommt, dass Bill Gates dank seines Geschäftssinns fähig war, die gesamte Welt (insbesondere unzählige Firmen) zu treuen Nutzern seiner Software zu machen. Angefangen bei Basic hat er verstanden, dass die meisten Computeranwender keinen blassen Dunst von Hardware und so Zeug haben, und er war vermutlich der erste und irgendwie auch der einzige, der das erkannt hat, und Programme auf den Markt gebracht, mit denen sogar Leute umgehen können, die nicht schon mit 7 einen Computer zu Hause hatten. Dafür gebührt ihm Dank. Allerdings hat dieser Dank einen fahlen Geschmack, wenn man die Sache etwas genauer anschaut.
Heute hat fast jede Firma Microsoft, abgesehen von einigen Graphischen Betrieben, die auf Mac setzen (was ja auch nicht eben billig ist). Alle Jahre wieder kommen neue Versionen heraus, und wieder muss die ganze Welt tief in die Tasche greifen, um dafür zu bezahlen. Die Firmen haben fast keine andere Wahl. Privatanwender schon, allerdings auch nur, solange sie nicht gezwungen sind, zB Excel Tabellen zu verwenden, die in einem neuen Format abgespeichert wurden. Ich habe ein konkretes Beispiel einer für mich wichtigen Tabelle, die ich nicht benutzen kann, weil ich Excel 2003 habe. Die neue Version 2007 ist tatsächlich besser: man kann mehr als 256 Spalten haben (was für die Datei, die ich bräuchte nötig ist).
Also hat es tatsächlich eine Entwicklung gegeben, und dafür möchte Microsoft Geld. Nun gut soweit verständlich, aber: wenn die gesamte Welt das neue Office Paket kauft, so macht Microsoft bei den Preisen, die bei 600 Euro liegen einen Gewinn der JEDEN denkbaren Anteil an Entwicklungskosten um ein Vielfaches übersteigt. Wie viele Arbeitsplätze und Privatanwender gibt es weltweit? 1 Milliarde? zwei? das mal 600 Euro gibt ein hübsches Sümmchen, dass sogar das BIP mancher Länder übersteigt... (Wobei die Firmen natürlich Rabatt bekommen, das muss man fairerweise auch noch sagen).
Warum also kostet das neue Office Paket so viel? Und ja, ich finde 600 Euro viel Geld.
Eingangs habe ich gesagt, ich würde es auch illegal nutzen. Allerdings tue ich es nicht. Warum nicht? Ich glaube, ich bin einfach zu anständig (edit: ähm ja, die neue benutzeroberfläche von office 2007 hat damit natürlich überhaupt nichts zu tun hihi). Irgendwie fehlt mir die Kaltblütigkeit, etwas zu nutzen, für das ich nicht bezahlt habe. Klingt das seltsam, wenn man meine Beiträge liest? Ja – natürlich. Aber der Grund dafür liegt bei den Games.
Games haben mich schon als kleines Kind interessiert. Damals noch, war es so, dass man gemeinsam mit anderen Kindern vor dem Atari sass und gemeinsam was erlebt hat. Wer jetzt denkt, ich sei ein typischer Compifreak könnte sich irren, irgendwie habe ich dennoch AUCH gerne die Natur gehabt. Games aber öffneten eine neue Welt.
Zwischen 1986 und 1989 gab es diverse Spiele, die man – ohne sie zu kopieren – kaum je zu Gesicht bekommen hätte, weil sie derart schlecht waren, dass kein Laden diese ins Sortiment aufgenommen hätte. Die Schwarzkopien waren das beste Mittel, um ein Spiel vor dem Kauf zu testen. Meine Begeisterung für Gratisspiele endete abrupt, als ich Dungeon Master nicht zum Laufen bringen konnte. Wie ich etwa 22 Jahre später erfuhr, lag das an einem etwas besseren Kopierschutz, der nicht nur am Anfang des Spiels aktiv wurde, sondern bei jedem einzelnen Level. Die Kopierer hatten das übersehen. Meine Grossmutter half mir dann weiter: sie schenkte mir das Spiel zum Geburtstag. Und hier nun begann – noch in den 80igern – meine Karriere als Spielekäufer. Der Grund war die Anleitung. Eine richtige Geschichte, die das Spiel geradezu unglaublich interessanter machte, als es ohnehin schon war, sowie die Erklärung der Zaubersprüche war für mich ein Zeichen, dass es sich durchaus lohnte, die Verwandten zu bitten, einem Computerspiele zu schenken.

Im Laufe der 90iger festigte sich diese Meinung, da ich zu jedem Spiel mit DICKEN Anleitungen, Karten, teilweise aus Textilien, und diversen zusätzlichen Informationen ausgestattet wurde. Ich kam irgendwann zum Schluss: sich ein Spiel NICHT zu kaufen, lohnt sich im Endeffekt einfach nicht. Firmen wie Microprose, Origin, Sir Tech und Westwood erschufen nicht nur Spiele, sondern auch Geschichten und „Verpackungsinhalt“ - wovon man heute nur träumen kann.
Dies änderte sich bedauerlicherweis als Electronic Arts und Activision im 21. Jahrhundert anfingen, kleinere Computerfirmen aufzukaufen. Diese Grosskonzerne hatten kein Gefühl für Games, sondern für Geld. Sie verdingten innovative Spieleentwicklerfirmen, und brachten als „Publisher“ Spiele auf den Markt. Anfangs waren diese noch immer recht gut ausstaffiert. Doch spätestens mit der Umstellung auf DVD-Hüllen war nicht nur die Luft aus der Verpackung, sondern auch der Inhalt. „Anleitungen“ die den Namen kaum verdienen, worauf allenfalls noch stand wie man das Spiel installiert (was eigentlich nicht so schwer ist), schufen ein Gefühl von Leere. Man kaufte einen CD-Rohling. Und auch die Spiele selbst wurden immer karger. Wo es früher noch so etwas wie Komplexität gab, wurde diese immer mehr abgebaut, bis man heute mit Spore ™ nur noch eine Art Puppenspiel kauft, ohne Taktik, ohne Inhalt, ohne Komplexität (verglichen mit früheren Spielen von Maxis wie zB Sim Earth).
Dennoch machte ich die Entwicklung mit, weil ich irgendwie der Überzeugung war, dass die Programmierer belohnt werden müssen. Es war ja nicht deren Schuld, dass Electronic Arts nur aus geldgeilen Säcken bestand. Zudem entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Mod-Communitiy für die beliebteren Spiele, was zu der von früher gewohnten Komplexität zurückführte. (Mods sind von Fans progammierte Erweiterung zu käuflich erwerbbaren Spielen).
Heute ist es so, dass man bei den meisten Spielen zweimal in die Tasche greifen muss. Zum einen kauft man das Spiel. Zum anderen kauft man ein Lösungsbuch, weil darin zwar mehr steht, als man eigentlich wissen will, jedoch steht dort eben auch Zeug darin, das früher in den Anleitungen zu finden war. Ein gutes Beispiel dafür ist der Vergleich zwischen Baldurs Gate II und Oblivion. Während BGII mit einer Anleitung aufwartete, die etwa ein Zoll dick ist, war Oblivions Anleitung dünn und wenig informativ. Eine weitere Entwicklung der Neuzeit ist die Unvollständigkeit bei Spielen. Irgendwann kommt mal was raus, etwas später gibt’s dann eine Erweiterung, und nochmals etwas später eine weitere – bis man dann nachdem man mehrmals harten Cash für das Gleiche bezahlt hat, ein Spiel in den Händen hält, dass gerade mal in Etwa halb so viel Inhalt bietet, wie die Spiele vor 10 Jahren. Oblivion ist riesig? Nein, Oblivion ist schön. Grafik hat Inhalt mehrheitlich verdrängt.
Wer mich jetzt für völlig bekloppt hält, dass ich überhaupt noch Spiele kaufe, dem muss ich erklären, warum ich das mache. Zum einen gibt es auch heute noch Spiele, die Verpackungsinhalt und Spielinhalt bieten. Und noch dazu auch gute Grafik (zB Sins of a Solar Empire). Das zeigt, dass es noch möglich ist – wenn EA seine Finger nicht drin hat zumindest.
Allerdings kaufe ich keine Spiele, die meinen, aus früheren Tagen gewachsenen, hohen Ansprüchen an den Inhalt nicht genügen (Spore). Ich lade sie allerdings auch nicht runter, solche Spiele interessieren mich schlicht nicht. Ich setze sie auf meine ganz persönliche Ignorelist, und es ist mir wurscht, wenn solche Spiele milliardenfach kopiert würden, wenn etwas nichts wert ist, warum sollte man dann dafür bezahlen? Nur um reiche Firmen noch reicher zu machen? Nein, vielen dank auch.
Ein aktuelles Beispiel ist Alpha Centauri von 1999. Das Spiel wurde von Firaxis programmiert, einer damals sehr kleinen Firma. Electronic Arts hat das Potential erkannt, und den jungen (und vermutlich etwas naiven) Programmieren die Hilfe seiner Spieletester angeboten. Mehr hat EA nicht gemacht, ausser ein paar Tests, die sicher auch gerne von Fans der Civ-Reihe durchgeführt worden wären (und das erst noch gratis). Damit hat sich EA den Titel Publisher erschlichen und einen Lizenzvertrag aufgesetzt, auf den Firaxis schlichtwegs reingefallen ist. Das Spiel wurde in Spielerkreisen hochgelobt, weil es an Komplexität und Atmosphäre kaum zu überbieten ist. Die Anleitung war – unglaublich, aus heutiger Sicht.
Firaxis wurde hernach eigenständiger und erfolgreich. Fans fragten nach wann denn eigentlich Alpha Centauri II mal endlich entwickelt würde. Die Antwort: gar nie. EA hatte die Lizenzrechte. Firaxis – der Entwickler, die Programmierer eines der genialsten Spiele der Neuzeit, die Leute, die ihr Herzblut daran gegeben haben: dürfen unter diesem Titel keine Spiele entwerfen. Und sogar „ähnliche“ Spiele würden wohl mit Argusaugen von den hochbezahlten Anwälten von Electronic Arts beobachtet. Fies? Nein – Copyright.
Ich habe das Spiel damals 1999 gekauft. Danach kam so meine Trance-Phase und Games rückten einigermassen in den Hintergrund. Zudem verunmöglichte Windows XP später, dass das Spiel zum laufen gebracht werden konnte. (inzwischen gibt es von Fans programmierte Patches für das Problem

natürlich sind diese genaugenommen illegal, weil diese Fans am Exe File rumgebastelt haben. Copyright halt. Tja… who cares?) - Da auf meinem Vista Computer, auch alte Spiele nun endlich wieder laufen (oh danke, Microsoft, ihr wart fähig, nach 10 Jahren ein Betriebssytem zu entwickeln, mit dem man alte Spiele wieder spielen kann lol), dachte ich cool, jetzt installier ich das mal. Fehlanzeige: Meine CD war total verkratzt und hinüber.
Nun wollte ich das aber dennoch spielen, und ich bin mal ins Netz gegangen, um zu schauen, wo man das herbekommt. Auf der Firaxis Homepage fand ich dann die oben genannte Information, dass es nie einen zweiten Teil geben wird. Hmm. Das Spiel ist natürlich schon lange vergriffen und nicht mehr erhältlich, und mit Ebay habe ich mich noch nie sonderlich angefreundet. Was konnte ich also tun? Schliesslich fand ich in einem Forum den Hinweis, dass eine Tochterfirma von Electronic Arts das Spiel noch mal aufgelegt hat. Ich informierte mich etwas genauer und fand heraus, dass dies wohl so sei, allerdings natürlich ohne Anleitung (die ich zwar schon hatte, aber dennoch…) und mit einem Kopierschutz versehen, der mit den Registry Dateien von Windows komische Dinge anstellt. Demungeachtet versuchte ich das Spiel zu kaufen – was jedoch nur mit Kreditkarte möglich gewesen wäre.
In diesem Moment zog ich Bilanz: a) ich habe für dieses Spiel schon mal gekauft, und das Orginal liegt hier neben mir, b) Firaxis würde von dem Geld, dass ich der Tochterfirma von EA bezahlen würde, keine roten Heller sehen, c) ich müsste EA Geld in den Hintern schieben, der Firma, die verhindert, dass es jemals eine Fortsetzung dieses Klassikers geben wird und d) ich würde einen Kopierschutz auf meinen PC installieren, der mein Windows irgendwie verseucht.
Ich habe mir daraufhin bittorrent runtergeladen, das Spiel auf piratebay gesucht und gefunden und mir ein cd image davon erstellt. Und wisst ihr was? Ich habe wirklich nicht das Gefühl ein Verbrecher zu sein. Ja, es drängt mich auch nicht, jetzt irgendwo einzutreten und zu beichten. Ich fühle mich nicht nur völlig im Recht, sondern habe noch nicht mal ein schlechtes Gewissen. Im Gegenteil, ich bin der felsenfesten Überzeugung das einzig Richtige getan zu haben, und kein Gesetz dieser Welt, keine Strafe dieser Welt könnte mich vom Gegenteil überzeugen.
Ich weiss TL:DR aber ich dachte mir irgendwie passt das zum Thema.
