Hey Melliandra
Wunderbare Worte.
Es ist genau der Unterschied zwischen Gelassenheit und Gleichgültigkeit, der es ausmacht.
Ich bin selbst nicht unbedingt Gleichgültig - und auch die Gelassenheit verlässt mich bisweilen ganz gelassen, wenn es um Themen geht, die mir ans Herz gehen. ODER an die Logik.
Sagen wir mal die völlig unvernünftige Zerstörung des Regenwalds, oder des Meeres, was sowohl dumm als auch herzlos ist, zerstört auch meine Gelassenheit, und zwar Endgültig.
Aber - was bringts?
Erstens was bringt es mir? Diese Egoistische Fragestellung sollte ich mir durchaus mal durch den Kopf gehen lassen, auch zwei oder dreimal. In erster Linie bringt es mir: Frust. Die Menschheit als Ganzes ist im grossen und ganzen einfach Dumm wie Brot. Mich darüber aufzuregen, ist das gleiche wie mich über die Existenz als solches, oder die Schwerkraft im Speziellen aufzuregen. Es ist logisch begründbar, mein Herz schreit vor Zorn und ändern kann ich daran mehr oder weniger überhaupt nichts.
Die Folge ist, dass ich Verlauf des Älter Werdens immer frustrierter werde, allen am liebsten ans Bein pissen möchte, und zwar so richtig, die ein Auto benutzen oder sonstwie zur Zerstörung des Planeten beitragen, was - wie man auch einsehen muss - alle sind, auch ich selbst. Ich werde also dann 30, 40, 50, 60 und mit jedem Jahrzehnt das ich älter werde, werde ich un-gelassener, ich verliere also meine Ausgelassenheit und Freude am Leben, und zwar so gesehen Tag für Tag. Und somit gibts ein Arschloch mehr auf dieser Welt: nämlich mich selbst.
Zweitens was bringt es der Welt/den anderen? Diese Altruistische Fragestellung wird oben schon teilweise beantwortet, aber da ich ja weiss, wie gern ihr lange Beiträge habt *kicher* wenn nun also ein Arschloch mehr auf der Welt ist, das am liebsten allen anderen Menschen ans Bein pissen und ihre Merzedessterne den Flusskrebsen zum Frass vorwerfen möchte, so bringt das der Welt, dass sie merkt wie schäbig sie ist. Wenn sie es denn merken würde. Denn auch wenn ich noch so sehr dem Zorn und der Wut verfallen bin, so merkt die das nicht. Selbst Amokläufer bringen sich am Schluss selbst um, weil sie merken, dass ihre Taten ausser einem müden Kopfschütteln bei der Menschheit nichts mehr auslösen. Schon gar keine Veränderung.
Veränderung tut Not! Wie ich schon in diversen nicht sonderlichen gelassenen und schon gar nicht gleichgültigen Threads klargestellt habe: Die Welt ist am Arsch und es wird tagtäglich schlimmer.
Nur: wenn Hass mein Handeln regiert, und Zorn meine Sinne für das Schöne und Gute auf der Welt trübt, wofür würd jemand, der Veränderung will, denn dann überhaupt kämpfen? Wenn ich die Fähigkeit verliere, das Gute und Schöne zu sehen, warum will ich es dann bewahren?
Natürlich könnte ich darauf antworten, weil es Gut und Schön ist, und damit zeigen, dass ich gar keinen Schimmer davon habe, WIE Gut und WIE Schön es tatsächlich ist. Wieviel Güte, Wieviel Liebe - auch in diesen 0815-Leuten steckt. Mit denen ich gezwungenermassen das Tram teile. Bin ich also der, der ein Lächeln aufsetzt in diesem Tram und damit andere anstecke? Oder bin ich der, der von anderen mit einem Lächeln angesteckt werden muss, weil seine Gedanken sich so sehr um das Negative drehen?
Die Welt ist zwar Scheisse...
Aber GLEICHZEITIG ist sie auch wunderschön.
Das nenn ich doch mal Paradox, watt?
Nun sagt der Zyniker in mir, dass es dadurch, dass sich alle - und auch ich - dass wir uns pudelwohl fühlen in unserer Haut, nichts daran geändert wird, was geändert werden muss.
Das Stimmt.
Ich glaube nicht (mehr), dass wir eine kritische Schwelle von x Millionen Menschen erreichen müssen, die im Bewusstsein der Liebe leben, damit alles wieder gut wird. Falls es jemals gut war. Oder dann halt endlich mal gut wird.
Was ich glaube ist, dass wir nichts ändern können, und zu unserem völligen Untergang vorherbestimmt sind. Begründung: Evolution. Die Natur ist Gott. Und dieser Gott sagt: Wer intelligent, geschickt, stark etc. ist, der überlebt. Wer sich mittels Atomwaffen aus dem Rennen schiesst, hat es nicht besser verdient. Und wir haben ja nicht nur Atomwaffen, um uns selbst umzunieten. Es geht auch langsamer, und wie der Frosch im sich langsam erwärmenden Wasser, sind wir glücklich wenn es im Winter endlich etwas wärmer wird. Bis uns die Luft ausgeht.
Somit: so RICHTIG zynisch betrachtet spielt es überhaupt keine Rolle. Das ist Gleichgültigkeit.
Und: wir können es uns selbst aussuchen, ob wir das bisschen Zeit das wir als lebendiges "etwas" haben, damit verbringen, anderen böse zu sein, dass sie zu blöd sind, um etwas am Zustand der Welt zu verändern - oder einander zu akzeptieren. Das ist Gelassenheit.
Ausserdem: Vielleicht irren die Zyniker ja auch mal. Ist nur m/eine Meinung, und die muss nicht zwingend richtig sein.
Vieles ist viel Besser als viele Denken.
Vieles ist viel Schlechter als viele Denken.
Don Quichote kämpfte gegen Windmühlen. Er hat verloren. Don Quichote gibts heute nicht mehr. Windmühlen schon. Warum? Weil der eine Lebendig war - das andere Mechanisch. Wir Menschen haben die Büchse der Pandorra schon längst geöffnet. Die Schrecklichen Wesen, die nicht aus Fleisch und Blut sind, haben alles und jeden fest in ihrem Bann und ihrem Griff. Systeme, körperlose Gespenster. Mechanische Geräte, Herzlose Golems. Computer und TV, Vampire, die wir in unserem Heim willkommen heissen. Wir haben längst den Kampf verloren.
Also warum weiter kämpfen? Um ehrenvoll zu sterben?
Oder aus Prinzip? PLUR oder Toleranz? Nächstenliebe oder Wissenschaft?
Wofür kämpfen, was beschützen? Wen beschützen, was bewahren?
Es vergeht eh alles - in Schall und Rauch. Und übrig bleibt: das Nichts.
So gesehen: Scheiss drauff.
