Um Die Fragestellung möglichst neutral wie auch kurz zu halten und nicht allzu stark mit persönlichen Ansichten zu färben, nehme ich hier in einem eigenen Beitrag zu diesem Thema Stellung.
Als erstes möchte ich hier den Organisatoren (von legalen wie illegalen Party’s

) für ihre Arbeit herzlich danken. Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass es Menschen gibt, welche grosse Anstrengungen unternehmen, um anderen Menschen ein spezielles Erlebnis bieten zu können. Oft ist es für Aussenstehende schwer zu sehen, wie viel Aufwand und Schweiss hinter solchen Anlässen wirklich steckt, damit das Ganze möglichst reibungslos abläuft und wir bei hochwertigen Sound und liebevoller Deko eine vergnügliche Nacht verbringen können.
Verständlich und wohl für jeden schnell ersichtlich ist, dass der Arbeitsaufwand und die Vorbereitungszeit linear bis exponentiell mit der grösse des Anlasses wächst und auch mit einem immer höheren Grad an Organisation und Planung einhergeht. Offenkundig für mich scheint ebenfalls, dass ab einer gewissen Grösse der Anlässe diese aus verschiedenen Gründen kaum mehr unbewilligt betrieben werden können und daher zu den übrigen organisatorischen Problemen noch verschiedene, zum Teil sehr aufwendige Bewilligungsverfahren hinzukommen. Auch die Platzsuche wird sich für einen Grossanlass wohl wesentlich schwieriger gestallten als für ein kleineres Hippie Happening im Wald, und wird, gekoppelt mit dem Bewilligungsverfahren, noch um Dimensionen verschärft.
Es kann noch wesentlich komplexer werden, wenn man noch zusätzlich mit anderen, an dem Anlass direkt beteiligten Interessengemeinschaften wie Restaurants, Bergbahnen, Clubbesitzern etc., Kompromisse eingehen muss und es so noch zusätzlich auch deren Interessen zu berücksichtigen gilt.
Nur schon aus diesen Gründen (neben den höheren Kosten für Acts, Anlage, Infrastruktur, Aufräumen, Müll entsorgen, Mitarbeiter etc.) scheint es mir logisch zu sein, dass für so genannte „Grossanlässe“ der Eintrittspreis, auch bei sehr fairen Bedingungen, nicht 15 Franken betragen kann.
Daher kann ich persönlich das Argument „ die Party kostet 30 oder 50 oder wie viel auch immer = Kommerz = Abzockerei „ so nicht gelten lassen.
Zum einen müsste hier bereits unterschieden werden zwischen Kommerz und Abzockerei, zwischen welchen ich nicht zwingend ein kausalen Zusammenhang sehe. Die Frage kann noch elementarer angegangen werden, indem wir uns Fragen, was wir unter „Kommerz“ verstehen. Im Umgangston wird Kommerz oft mit Mainstream etc. assoziiert, kann aber auch als kommerziell (geschäftlich, wirtschaftlich) Genutzt oder so ähnlich (bin leider kein Wirtschafts- oder Sprachwissenschaftler

) verstanden werden. Ich möchte mich hier auf die erstere, umgangstonliche Bedeutung beziehen.
Der Eintrittspreis hat von mir aus gesehen nicht zwingend einen direkten Zusammenhang mit dem Grad an „Kommerz“ eines Events. Ob eine Party in Richtung Kommerz geht oder nicht, entscheide ich persönlich anhand anderer Indikatoren wie z.B. was für Act’s spielen, was für Besucher sind anwesend, was für eine Stimmung herrscht vor, wie liebevoll ist die Deko, die Location usw. Es kann sein, dass eine Party für 15 Franken wesentlich kommerzieller ist als eine für 50 Franken.
Ähnlich verhält es sich mit dem Abzocken. Für mich gibt es Party’s, die 50 Franken kosten, aber jeden Rappen Wert sind, weil ich sehe, dass die Leute einen sehr grossen Aufwand betrieben haben, um uns einen wirklich geilen Anlass zu ermöglichen und keine Hindernis oder Risiko deswegen gescheut haben. Hand kehr um kann es Party’s für 20 Franken geben, wo ich sehe, dass die Leute genau nichts organisiert haben, die ganze Sache halbherzig aufgezogen haben und nur darauf aus sind, meine Kohle einzusacken. Das gleich kann natürlich auch bei einem Anlass für 50 Franken passieren (damit wir uns nicht missverstehen), doch ist es sehr gefährlich zu sagen, die Party kostet so und soviel – also ist es Abzocke. Das Ganze muss wesentlich differenzierter betrachtet werden als einfach mit der blauäugigen Gleichung „teuer = Kommerz = Abzocke“!
Ich möchte hier nicht zum Ausdruck bringen, dass es keine Party’s gibt, welche in die Kategorie „Abzocke“ oder „Kommerz“ fallen, jedoch z.T etwas voreilig oder zuwenig differenziert Anlässe als solche diffamiert werden.
Wesentlich Aussagekräftiger ist z.B. das Feedback, dass der Eintrittspreis für den Rahmen der Party hoch war oder dass die Barpreise übersetzt waren etc., als einfach der ganze Anlass pauschal als Abzocke abzuurteilen.
Nach dieser kleinen „Kommerz – Abzocke“ Ausschweifung, möchte ich hier zurück zum Thema finden.
Die Goa Szene entwickelt und wandelt sich beständig, und ist nach meiner persönlichen Einschätzung in den letzten Jahr auch recht gewachsen. Eine direkte Auswirkung davon ist, dass vermehrt grössere Anlässe stattfinden, welche eine Bewilligung benötigen. Es gab früher wie auch heute auch kleinere Waldparty’s, welche meist im „illegalen“ Rahmen abgehalten werden.
Meiner Ansicht nach sollte in einer modernen Gesellschaft für solche Anlässe Platz sein, soweit man nicht andere Menschen damit belästigt oder schadet. Dies bedingt, dass man sich bei nicht bewilligten Party’s mit dem Landbesitzer wie auch allfälligen Anwohner abspricht und diese korrekt informiert (wir werden Sound abspielen, nicht mit einem Getto Blaster, sondern mit einer 3 kW Anlage, und nicht bis 22:00 Uhr sondern bis am Sonntag etc.), den Platz sauber und gepflegt hinterlässt (was selbstverständlich sein sollte), die Parkordnung mit dem Landbesitzer abspricht usw. und deren Entscheide auch respektieren sollte. Meist sucht man daher etwas abgelegene Orte und verwendet eine dem Anlass angemessen Anlage (und nicht ein 20 kW Soundsystem für 50 Leute), um die Lärmbelästigung und andere Einflüsse auf Anwohner und Umfeld so gering wie möglich zu halten. Meine persönliche Meinung ist, dass solche Anlässe, sofern sie wirklich im kleinen Rahmen stattfinden (so bis max. 50-70 Leute oder so) keiner Bewilligung bedürfen sollten und so auch von der Gesellschaft toleriert werden können. Hier sollte gegenseitige Toleranz geübt werden – leben und leben lassen. Die Einflüsse auf die natürliche Umwelt sind bei solchen Anlässen, meinem Empfinden nach zu urteilen, nicht all zu einschneidend, und liegen im Rahmen des Zumutbaren wie auch innerhalb der natürlichen Reaktions- und Regenerierfähigkeit, in jeden Fall sicher geringer als bei grösseren Anlässen. Bewusst möchte ich hier auf den Vergleich zu anderen kulturellen und sozialen Anlässe verzichten, da es immer einfach ist, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sich so der Verantwortung zu entzieht.
Ideal wäre, wenn auch „illegale“ Anlässe bewilligt durchgeführt werden könnten, da Anwohner, Landeigentümer wie auch Gemeinden, Forst- und Wildaufseher etc. ein Mitspracherecht zugeteilt würde, und aus diesem Dialog für beide Seiten wichtige Erfahrungen und Einsichten resultieren könnten. Des Weiteren würde empirisches Wissen und Erkenntnis der verschiedenen Interessengemeinschaften in die Planung einfliesen und ausgetauscht werden und auf diesem Wege den bestmöglichen Kompromiss gefunden. Ein weiterer Vorteil wäre, dass eben diese Vertretungen ernst genommen würden und den ihnen von der Gesellschaft bzw. Gemeinschaft zugeteilten Bestimmung auch gerecht werden könnten, auch wenn hier eine gewisse Kompromissbereitschaft von jeder Seite gefordert würde. Auch würde diesen Anlässen ihre gesellschaftliche „Anonymität“ genommen und diese hätte eine Ansprechstelle, welche Verantwortung übernehmen bzw. wahrnehmen würde (und auch nimmt). Es beängstigt einem nichts mehr, als das Anonyme oder Unbekannte - wenn der Schleier einmal gelüftet wird, sieht das klare Bild meist wesentlich menschlicher und vertrauter aus.
Mit diesen Gedankenassoziationen befinden wir uns schon mitten in der Diskussion um bewilligte Anlässe. Ich persönlich empfinde es als sehr couragiert und charakterfest, dass es solche Menschen gibt, welche diese Verantwortung wahrnehmen und für „ihren“ Anlass gerade stehen. Oft geht diese Verantwortung auch mit einem massiven finanziellen Risko und persönlicher Aufopferung einher und nicht, wie viele vielleicht zu denken pflegen, mit einem easy und ertragreichen Lebensunterhalt (zumindest bei seriösen Veranstalter), soweit ich dies zu beurteilen vermag.
Aus diesen und anderen Gründen finde ich es extrem schade und unverständlich, dass gerade in letzter Zeit (?) diese Bewilligungsverfahren verschärft und zum Teil gar verunmöglicht wurden/werden. Leider habe ich persönlich nicht gefestigte oder bestätigte Fact’s betreffen dieser Entwicklung, habe jedoch von verschiedener Seite davon vernommen. Ich möchte hier keine Gerüchte lostreten und wäre daher auch selber sehr an gesicherten oder auch empirischen Informationen anderer Menschen interssiert.
Für mich wäre eine solche Entwicklung, denn es eine solche gibt, ausgesprochen Besorgnis erregend und würde meinem persönlichen Rechtsempfinden fundamental zuwiderlaufen. Denn Sinn und Zweck dieses Bewilligungsverfahren sollte sein, gemeinsam einen Rahmen und Weg zu finden, solche Tanzveranstaltungen so planen zu können, dass möglichst wenig Menschen in ihrer persönlichen Freiheit beschnitten werden. Durch solche Massnahmen seitens der Behörden werden utilitaristische und multilaterale Ansätze in ihrer Entwicklung gehemt und zum Teil gar verunmöglicht werden, was gegen jegliche Logik verstossen würde. Durch das Erschweren oder gar Verunmöglichen dieser an sich sehr begrüssenswerten Entwicklung seitens der Festival Veranstaltung, gerade auch für Anwohner und Gemeinden, werden diese Bemühungen seitens der Veranstalter versanden und sich früher oder später in eine Rückläufige Tendenz ins „illegale“ abzeichnen, was wohl kaum im Interessen der behördlichen Organe sein kann. Was verständlich wäre, wenn vermehrt Verkehrskontrollen durchgeführt werden würden, da im Falle von alkoholisierten oder anderweitig nicht voll urteilsfähigen Verkehrsfahrzeugführer andere Menschen massiv in ihren Freiheiten beschnitten werden können. Jedoch für das momentan abzeichnende Vorgehen der Behörden kann ich keinerlei Verständnis aufbringen und stosse mich massiv an den diametral auseinander gehenden Bemühungen der verschiedenen Interessengruppen. Als einzig verwendbares Motiv für das Vorgehen der Behörden sehe ich den Versuch, die Erscheinung der Goaszene einzudämmen und diese wieder zurück in den gesetzlichen Untergrund abzudrängen, um dann mit entsprechenden „rechtsstaatlichen“ Mitteln dagegen vorgehen zu können. Sollte dies wirklich der Fall sein, wäre ich von unserem Rechtsstaat masslos enttäuscht. Es darf und sollte in einem fortschrittlichen Staat Entwicklungsraum für kulturelle und künstlerische Aspekte geben, und diese von staatlicher seit her zu unterbinden wäre weit gefehlt. Doch leider zeigt uns die Geschichte, dass sich die Gesellschaft und die etablierte Meinung schon seit jeher schwer tat mit neuem kulturellen und spirituellen Gedankengut, und diesem anscheinend Heute wie auch Gestern, nur mit staatliche Gewalt begegnen kann, statt diese neuen Einflüssen wahrzunehmen und mit ihnen gemeinsam eine Weiterentwicklung des Bestehenden anzustreben.
Es scheint für mich schon fast symptomatisch zu sein, dass am Anfang der christlichen Welt der „Sündenfall“ steht, wo das Menschengeschlecht aus dem Paradies vertrieben wurde, weil sie die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu sich genommen haben. Dies scheint sich wie ein roter Faden durch den christlich abendländischen Kulturkreis bis heute hindurch zu ziehen. Doch zu diesem Thema möchte ich mich hier nicht weiter äussern (würde dann wohl diesen Rahmen vollständig sprengen).
Abschliessend möchte ich hier noch auf die Unvollständigkeit meines Beitrages hinweisen, da die Realität bestimmt noch viel komplexer strukturiert ist, und ich keinesfalls dogmatisch (-christlich -> sorry für den Seitenhieb, konnte es mir nicht verkneifen

) diesen Beitrag als absolut gegeben hinstellen möchte, sondern mich vielmehr freuen würde, wenn andere Menschen eine andre Ansicht zu gewissen Stellen haben und diese auch so zum Ausdruck bringen. Mein Ziel war nicht, wertend über bewilligte oder nicht bewilligte Anlässe zu urteilen – sondern vielmehr versucht zu haben, deren komplexes Umfeld und Wirkungsfeld ansatzweise etwas erleuchtet zu haben und auf neue Entwicklungen hin gedeutet zu haben, falls es solche wirklich gibt.
Freue mich auf Eure Meinungen
See the light – keep it real
Rapha